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Start-up der Hochschule RheinMain erhält EXIST-Stipendium

Gründungsberaterin Dr. Vbronia Saeed, Wilfried Njoya Talimeta, Tim Prellwitz und Ida Tatsinda (v. l.)

Mit seiner Plattform „IDA Health“ will ein Team der Hochschule RheinMain (HSRM) die psychologische Versorgung in Deutschland verbessern. Dafür erhält das Team um Wilfried Njoya Talimeta nun ein Jahr lang das begehrte EXIST-Gründungsstipendium des Bundeswirtschaftsministeriums.

Lange Wartezeiten, ineffiziente Abläufe, administrative Überlastung, fehlende Digitalisierung, Sprachbarrieren: Wie schwer es ist, zeitnah einen Termin bei einer Psychotherapeutin oder einem Psychologen zu bekommen, erfuhr Wilfried Njoya Talimeta am eigenen Leib. Im Rahmen eines routinemäßigen Arztbesuchs wollte der heutige Absolvent der Hochschule RheinMain (HSRM) psychologische Beratung beziehungsweise eine psychotherapeutische Maßnahme in Anspruch nehmen. „Nach zahlreichen Anfragen bei Praxen und anderen Einrichtungen wurden mir Wartezeiten von zwei bis teilweise drei Jahren genannt“, erzählt der ehemalige Student der Elektro- und Luftfahrttechnik. „Das war für mich ein prägender Moment – insbesondere mit der Frage im Hinterkopf, was passiert, wenn jemand akut Hilfe benötigt.“

Mit „IDA Health“ wollen Wilfried Njoya Talimeta und sein Team die Versorgungssituation entscheidend verbessern und erhalten für die Weiterentwicklung ihrer Gesundheitsplattform ein EXIST-Gründungsstipendium. Mit diesem Programm unterstützt das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie ein Jahr lang Hochschulabsolvent:innen, Wissenschaftler:innen sowie Studierende bei der Vorbereitung ihrer technologieorientierten und wissensbasierten Existenzgründungen.

„Ich freue mich sehr für das Gründungsteam um Wilfried Njoya Talimeta über das EXIST-Stipendium“, so Prof. Dr. Andreas Brensing, HSRM-Vizepräsident für Forschung, Entrepreneurship und Wissenschaftskommunikation. „Die Förderung schafft für ein Jahr eine wichtige finanzielle Grundlage auf dem Weg zur Umsetzung der Geschäftsidee. Vielen Dank auch an unser Start-up-Unterstützungsteam, die das Gründungsvorhaben stark begleiten.“

Kontakt zu Therapeut lässt Idee reifen

Nach seiner erfolglosen Suche hat sich Wilfried Njoya Talimeta intensiv mit der Versorgungssituation in Deutschland beschäftigt und dabei den approbierten psychologischen Psychotherapeuten Ralf Jostes kennengelernt, der heute zu seinem Team gehört. Von ihm erfuhr Wilfried Njoya Talimeta von den strukturellen Ursachen: hohe bürokratische Anforderungen, eine nur unzureichende Digitalisierung sowie viele Arbeitsschritte, die heute bereits sinnvoll digitalisiert oder durch Künstliche Intelligenz (KI) unterstützt werden könnten. Die Erkenntnis, dass darunter Millionen Menschen zu leiden haben, sei der ausschlaggebende Faktor gewesen, der ihn dazu bewegt habe, ein Start-up zu gründen.

Die konkrete Idee: Die Plattform kombiniert innovative KI-Assistenten für Psychotherapeut:innen mit konfigurierbaren KI-Agenten, die strukturierte Vor- und Nachgespräche durchführen. Diese Agenten erheben Anamnese, Symptome, Vorgeschichte, Erwartungen und Verlaufsfeedback und erstellen daraus standardisierte Zusammenfassungen und Protokolle. „In erster Linie wollen wir Menschen ermöglichen, die für sie passenden Psycholog:innen oder Psychotherapeut:innen schnell und unkompliziert über unsere Plattform zu finden – mit wenigen Klicks und ohne langwierige Suchprozesse“, erklärt Wilfried Njoya Talimeta.

„Darüber hinaus unterstützen wir psychologische Fachkräfte dabei, die zentralen Schritte der Versorgungsprozesse – sowohl in der Diagnostik als auch in der Therapie – vollständig zu digitalisieren oder gezielt mithilfe Künstlicher Intelligenz zu automatisieren.“ Dafür haben er und sein Team, zu dem neben Ralf Jostes außerdem Tim Prellwitz (Absolvent des Studiengangs Digital Business Management) sowie Ida Tatsinda (Absolventin des Studiengangs Umwelttechnik) gehören, Diagnostik- und Therapieprozesse verschiedener Störungsbilder systematisch analysiert und strukturiert digital abgebildet.

Ein dritter Punkt, der dem Team wichtig war, ist der Abbau von Sprachbarrieren „Viele Menschen – insbesondere solche, die Deutsch nicht als Muttersprache sprechen oder aus Krisen- und Kriegsgebieten stammen – haben bislang nur eingeschränkten Zugang zu psychologischer Versorgung“, so Wilfried Njoya Talimeta. „Das integrierte, automatisierte Übersetzungssystem unserer Plattform unterstützt die Kommunikation in 15 verschiedenen Sprachen und erleichtert so den Zugang zu psychologischer Hilfe unabhängig von der jeweiligen Muttersprache.“

Großes Interesse von Praxen und Kliniken

Sieben Absichtserklärungen von Praxen, die „IDA Health“ nach Fertigstellung nutzen möchten, gebe es bereits, erzählt Wilfried Njoya Talimeta stolz. „Erste Praxen haben unseren Prototyp bereits getestet und die Zeitersparnis als erheblich beschrieben. Rund 30 Praxen, Kliniken und psychologische Fachkräfte stehen aktuell auf unserer Warteliste.“

Die Förderung durch das EXIST-Programm beginnt im März 2026. Ein Jahr lang erhält jedes Teammitglied monatlich 2.500 Euro zur Sicherung des Lebensunterhalts, dazu kommen pauschal 30.000 Euro für Sachmittel und 5.000 Euro für Beratung. Die Hochschule erhält zusätzlich 12.500 € Anreizprämie für die gründungsspezifische Begleitung des Projekts. Diese übernimmt Dr. Vbronia Saeed von RheinMain StartUpLabs, die den Förderantrag gestellt hat: „Für die Hochschule ist es das erste EXIST-Stipendium seit 2020 und daher ein großer Erfolg für uns und natürlich für das geförderte Team!“

Ambitionierte Ziele

Das Stipendium können Wilfried Njoya Talimeta und sein Team gut gebrauchen, denn die Ziele sind ambitioniert. „Mithilfe der Förderung durch EXIST möchten wir unseren Prototyp weiter verfeinern, umfangreiche Tests durchführen, erste Pilotanwendungen umsetzen, das Unternehmen offiziell gründen und die ersten Kund:innen gewinnen“, so der Gründer. „Perspektivisch planen wir den Roll-out zunächst in Deutschland, anschließend in der DACH-Region, europaweit und später international. Unser Ziel ist es, die Qualität der Patient:innenversorgung weltweit nachhaltig zu verbessern und das größte digitale Gesundheitsökosystem im Bereich der Psychotherapie und Psychologie aufzubauen.“

Das Projekt „IDA Health“ (Förderkennzeichen: 03EGTHE044) wird im Rahmen des EXIST-Programms durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie und den Europäischen Sozialfonds Plus (ESF Plus) gefördert.

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