Die politische extreme Rechte in Deutschland hat sich in den letzten 15 Jahren rasant gewandelt. Stellvertretend dafür steht die Entwicklung der Alternative für Deutschland (AfD), wie Prof. Dr. Wiebke Dierkes erklärt: „Der Partei ist es gelungen, extrem rechte Positionen und Personen in sich zu integrieren und damit zu einer Normalisierung eben dieser beizutragen.“
Betroffen davon ist auch und insbesondere die Soziale Arbeit. Sie sieht sich als Disziplin und Profession nicht nur Angriffen (extrem) rechter Akteur:innen ausgesetzt, sondern muss sich auch damit auseinandersetzen, wie rechte Diskursverschiebungen konkret auf Räume und Handlungspraxen Sozialer Arbeit wirken. „Das Postulat der Menschenrechte als Selbstverständnis der Sozialen Arbeit reicht nicht aus, um als Profession und Disziplin von menschenfeindlichen Einstellungen und Handlungsmustern unberührt zu bleiben“, sagt Prof. Dr. Johanna Sigl, ebenfalls vom Fachbereich Sozialwesen.
Rechte Einflussnahme konkret erfassen
In einem nun gestarteten Forschungsprojekt verfolgen die beiden Professorinnen mit ihrem Team das Ziel, diese Einflussnahmen sowie deren Auswirkungen konkret zu erfassen. Anhand einer Studie werden empirische Daten zu Angriffen (extrem) rechter Akteur:innen, zu Einflussnahmen und Auswirkungen (extrem) rechter Diskurse auf das Selbstverständnis, das professionelle Handeln, die Institutionen sowie die einzelnen Subjekte im Kontext Sozialer Arbeit erhoben.
„In Hessen gab es dazu bislang keine systematische Erhebung, wir wollen diese Forschungslücke bearbeiten“, erklärt Prof. Dr. Dierkes. Das Projekt schließt inhaltlich und methodisch an Forschungsvorhaben in anderen Bundesländern wie Nordrhein-Westfalen oder Mecklenburg-Vorpommern an und ist insofern eine wichtige Ergänzung zu vorhandenen Befunden.
Neben Onlinebefragung auch Interviews mit Expert:innen und Adressat:innen Sozialer Arbeit
„Mit einer Onlineumfrage wird die Soziale Arbeit in Hessen in ihrer Breite in den Blick genommen und deskriptiv statistisch ausgewertet. Damit werden belastbare Zahlen zu dem Einfluss und den Auswirkungen (extrem) rechter Agitationen für die Soziale Arbeit in Hessen zur Verfügung stehen“, sagt Prof. Dr. Sigl.
Aufbauend auf der ersten Analyse dieser Ergebnisse folgen vertiefende qualitative Interviews. Durch die Interviews mit Fachkräften werden ausgewählte Handlungsfelder genauer beleuchtet und Erfahrungen sowie bisherige Umgangsstrategien sichtbar gemacht. Darüber hinaus wollen die Wissenschaftlerinnen die Studie um die bedeutende und bisher unterrepräsentierte Perspektive der Adressat:innen Sozialer Arbeit erweitern. Mittels problemzentrierter Interviews mit Adressat:innen sowie Erfahrungsexpert:innen Sozialer Arbeit schafft das Forschungsprojekt Räume für die Perspektive Betroffener, die damit Teil der zu entwickelnden Gegenstrategien werden.
Zur Onlinebefragung