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Verkehrspolitik im Spiegel der Kommunalwahl

Analyse von Wahlplakaten zur Hessischen Kommunalwahl 2026

Zum zweiten Mal nach 2021 haben Forschende an der Hochschule RheinMain Plakate zur hessischen Kommunalwahl analysiert. Sie gehen damit der Frage nach, welche Aspekte der Mobilität und des Verkehrs auf Wahlplakaten dargestellt und vermittelt werden, welche Themen auf welche Weise adressiert und welche Positionen bezogen werden. „Die Besonderheit des Mediums Wahlplakat liegt darin, dass es sich nicht zur Darstellung umfassender, komplexer und differenzierter Forderungen eignet, sondern mit wenigen Worten und mit Bildern pointiert eine Botschaft vermitteln muss“, erklärt Prof. Dr. Volker Blees, der die Analyse geleitet hat. Wahlplakate bilden so einerseits ein Kondensat parteipolitischer Programme und spiegeln andererseits wieder, mit welchen Aussagen eine Partei glaubt, die Wählerinnen und Wähler von sich überzeugen zu können.

Mobilität ist wichtiges Thema für Parteien

Die Analysen zeigen, dass Mobilität und Verkehr im Reigen aller Wahlplakat-Themen unverändert eine große Rolle spielen, im Vergleich zu 2021 aber hinter Themen wie Wohnen und öffentliche Sicherheit zurücktreten. Dabei gibt es Unterschiede zwischen den Regionen: während beispielsweise in Darmstadt, Frankfurt am Main und Wiesbaden das Thema Verkehr häufig vorkommt, finden sich in anderen Orten im Straßenbild nur vereinzelte oder – beispielsweise in Hanau und Wetzlar – gar keine Aussagen dazu.

Regionale Unterschiede finden sich auch hinsichtlich des Konfliktpotenzials von Verkehrspolitik, das in den Plakaten zutage tritt. So beherrschen etwa in Marburg und Wiesbaden konfrontative Aussagen das Straßenbild, wogegen die Parteien in Darmstadt mehrheitlich harmonische und versöhnende Botschaften senden. 

Abwendung von der Verkehrswende?

Ein Blick auf die angesprochenen Verkehrsthemen zeigt deutliche Verschiebungen gegenüber 2021: anders als vor fünf Jahren spielt eine an Nachhaltigkeitszielen orientierte Verkehrsentwicklung nur noch eine nachgeordnete Rolle. Insbesondere die etablierten Parteien betonen entweder das gleichberechtigte Miteinander der verschiedenen Verkehrsmittel oder sie wenden sich explizit gegen Maßnahmen, die in den letzten Jahren zugunsten von Verkehrssicherheit, Umweltschutz oder von Fuß, Fahrrad und ÖPNV ergriffen wurden und dafür den Kfz-Verkehr stärker reglementieren. 

Aus verkehrswissenschaftlicher Perspektive beurteilt Prof. Dr. Blees diese Entwicklung kritisch: „Die Gleichberechtigung der Verkehrsmittel ist ein wichtiges und richtiges Ziel, aber angesichts begrenzter Flächen und Ressourcen ist dieses Gleichberechtigungsversprechen kaum einlösbar. Und auch die Parteinahme für das Auto ist zwar grundsätzlich legitim, aber die Konzentration auf die Wiederherstellung früherer Zustände ignoriert die existierenden Probleme mit Umwelt und Klima, Verkehrssicherheit und Teilhabe, die die Debatte um die Rolle des Autos überhaupt ausgelöst haben.“

 

Zur Studie

Bei Besuchen in 16 hessischen Städten konnten zwischen 10. Februar und 7. März 2026 insgesamt 81 unterschiedliche Plakate mit Mobilitäts- und Verkehrsbezug von 19 verschiedenen Parteien und Gruppierungen dokumentiert werden. 

Die Studie steht zum Download zur Verfügung.

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