Sie diskutieren dabei die bislang geschaffenen Strukturen, die konkreten Vorteile für die Lehre an der Hochschule sowie die Messbarkeit der Erfolge des Projekts, das seit dem 1. Oktober 2025 an der Hochschule RheinMain läuft.
EIS@HSRM arbeitet mit dem Educational Innovation Board und dem Educational Innovation Office. Wie sind diese beiden Strukturen konkret ausgestaltet? Und wie sieht der Ablauf von einer Idee bis zur Umsetzung eines Innovationsprojekts in der Praxis aus?
Petra Kreis-Hoyer: Die Idee hinter EIS@HSRM ist, dass Ideen von der Einreichung über die Entwicklung bis hin zur Umsetzung unterstützt werden. Das Educational Innovation Board (EIB) ist dabei unser Entscheidungsgremium: Besetzt mit Vertreter:innen aus der Lehre, der Studierendenschaft, dem Projektteam und externen Expert:innen bewertet es die eingereichten Projektideen, gibt Impulse und entscheidet über die Förderung. Das Educational Innovation Office (EIO) wiederum ist unser Koordinationszentrum. Hier werden Antragstellende in der Projektplanung und -umsetzung beraten und erhalten zudem Unterstützung in der Vernetzung und Kommunikation. Darüber hinaus fließen aus dem EIO personelle und übergeordnete finanzielle Ressourcen in die Projekte.
Imke Kimpel: Der Weg hin zum fertigen Innovationsprojekt ist bewusst niedrigschwellig angelegt: Eine Idee muss am Anfang noch nicht fertig ausgearbeitet sein. Sie wird eingereicht, gemeinsam geschärft, vom EIB eingeordnet und bei positiver Entscheidung vom EIO in die Umsetzung begleitet. Genau das ist der Anspruch von EIS@HSRM: Wir möchten gute und vor allem innovative Ideen möglichst früh aufgreifen und sie mit Beratung, Austausch und Förderung in tragfähige Lehr- und Lernformate überführen.
Der Projektantrag betont partizipative Prozesse und die Einbeziehung relevanter Akteur:innen, insbesondere der Studierenden. Wie wird diese Beteiligung konkret organisiert, und nach welchen Kriterien wird entschieden, welche Ideen gefördert und weiterverfolgt werden?
Imke Kimpel: Studierende sind bei EIS@HSRM gleichermaßen Zielgruppe wie auch aktiv Mitgestaltende. Konkret bedeutet das: Als stimmberechtigte Mitglieder im EIB bringen sie ihre ganz eigene Perspektive auf Projekte und deren Innovationspotenzial direkt in die Förderung ein. Gleichzeitig können Studierende aber auch selbst kooperativ mit Lehrenden oder lehrunterstützenden Einheiten Anträge einreichen, sodass die Studierendenschaft gleich an mehreren Stellen in die Struktur von EIS@HSRM eingebunden ist.
Petra Kreis-Hoyer: Zentrale Kriterien für die Förderung sind der Innovationsgehalt eines Projekts sowie die Relevanz für Studium und Lehre. Wichtig ist außerdem, dass ein Projekt nicht nur inhaltlich überzeugt, sondern auch anschlussfähig ist und interdisziplinär Wirkung an der Hochschule entfalten kann. Schlussendlich wird aber das EIB die konkreten Kriterien und möglichen Schwerpunkte verhandeln und festlegen.
EIS@HSRM bündelt mit Xchange (KI-basierte Lernreflexion und Austausch), Xplore (Ausstattung von Makerspaces) und Xperience (Problem-Based-Learning-Projekte) drei unterschiedliche Innovationslinien. Welche strategische Funktion hat jede dieser Linien für die Hochschule – und welche konkreten Entwicklungen erwarten Sie daraus für Studium und Lehre?
Petra Kreis-Hoyer: Jede der drei Linien soll unterschiedliche Aspekte des Lehrens und Lernens an der HSRM vorantreiben. Mit Xperience möchten wir Studierenden die Möglichkeit der Arbeit an praxisnahen Challenges in Kooperation mit Partnerunternehmen und -institutionen bieten und damit bereits frühzeitig im Studium die Brücke in die Arbeitswelt bauen. Xplore fördert die Entwicklung von Einrichtungen wie Makerspaces und Prototyping-Laboren und schafft so die Möglichkeit zum freien Experimentieren. Darüber hinaus zielt es auch auf die Förderung der interdisziplinären Zusammenarbeit der verschiedenen Standorte und Fachbereiche ab.
Imke Kimpel: Xchange schließlich stärkt den Austausch und die Reflexion zwischen Studierenden und Lehrenden und soll diese unter anderem durch eine KI-gestützte Lernreflexion weiter individualisieren. Im Zusammenspiel der drei Linien soll die Lehre an der HSRM noch interdisziplinärer, praxisnaher und nachhaltiger wirksam werden. Innovationen sollen an der Hochschule nicht nur punktuell sichtbar werden, sondern sich breit entfalten und wiederum neue Formate anstoßen. Eine Community of Practice für innovative Lehre ist eines unserer Ziele.
Welche konkreten Vorteile sollen die Fachbereiche, Lehrenden und unterstützenden Bereiche der Hochschule durch EIS@HSRM in den kommenden Jahren spüren – jenseits der allgemeinen Projektziele?
Imke Kimpel: Für die Fachbereiche und Lehrenden soll EIS@HSRM vor allem den Spielraum bieten, innovative Ideen flexibel erproben und weiterentwickeln zu können. Wir möchten eine Kultur stärken, die dazu einlädt, sich einzubringen und dabei Unterstützung und Wirksamkeit zu erleben. Gute Ansätze müssen nicht isoliert entstehen, sondern können gemeinsam leichter weiterentwickelt werden.
Petra Kreis-Hoyer: Durch die Vernetzung der beteiligten Bereiche sollen diese speziell vom gegenseitigen Erfahrungsaustausch und der Bündelung von Prozessen profitieren – sei es in der gemeinsamen Nutzung von Ressourcen, der Anschaffung von Materialien oder der Verknüpfung kommunikativer Maßnahmen.
Das Projekt ist auf sechs Jahre angelegt. Woran werden Sie messen, ob EIS@HSRM für die Hochschule wirklich erfolgreich war – und wie soll sichergestellt werden, dass wirksame Strukturen und Formate auch nach der Förderphase bestehen bleiben?
Christian Schachtner: Der erste Schritt ist, dass EIB und EIO als verlässliche Strukturen zusammenarbeiten, in der Hochschule präsent werden und die Perspektiven der verschiedenen Zielgruppen abbilden. Dabei baut EIS@HSRM in den drei Projektlinien auf die DNA der Hochschule als HAW. Das Vorhaben wird dann erfolgreich sein, wenn aus innovativen Ideen in den drei (oder später auch mehr) Linien Projekte entstehen, von denen die Hochschule lernen und sich gemeinsam weiterentwickeln kann. Das Misslingen eines Projekts ist dabei manchmal wertvoller als das Gelingen. Damit aber wirksame Formate auch nach der Förderphase bestehen bleiben, müssen wir es schaffen, diese Ansätze kontinuierlich in bereits bestehende Prozesse und Strukturen zu überführen. Entscheidend wird hierfür sein, dass die aufkommenden Ideen nicht als Einzelmaßnahmen enden, sondern von Fachbereichen, Lehrenden und unterstützenden Bereichen gemeinsam weitergetragen und so bestmöglich verstetigt werden können.
Ob aus Studium, Lehre oder Hochschulpraxis: EIS@HSRM lebt von guten Ideen und unterschiedlichen Perspektiven. Wer Lehr- und Lerninnovationen mitdenken oder sich vernetzen möchte, ist herzlich eingeladen, mit uns ins Gespräch zu kommen. Wir freuen uns auf Ideen, Austausch und neue Verbindungen!
Mehr Informationen zu EIS@HSRM sowie Kontaktmöglichkeiten finden Sie auf der EIS-Webseite.