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Lokale Strominseln, starke Nachbarschaft

Prof. Dr. Heinz Werntges

In seinem Vortrag im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Wissenschaft findet Stadt“ zeigt Prof. Dr. Heinz Werntges, wie Haushalte im Falle eines Stromausfalls zu Versorgungsinseln werden können.

April 2025: In Spanien und Portugal kommt das öffentliche Leben durch einen massiven Stromausfall rund zwölf Stunden lang praktisch zum Erliegen, Millionen Menschen sind betroffen. Januar 2026: In Berlin und Brandenburg sind die Menschen nach einem mutmaßlichen Sabotageakt teils tagelang ohne Strom. Nur zwei Ereignisse, die gezeigt haben: Unsere Stromversorgung ist verwundbar. „Unser Stromnetz ist kompliziert und kann schnell aus dem Gleichgewicht geraten“, weiß auch Prof. Dr. Heinz Werntges, der dazu am Mittwochabend in der Mauritius-Mediathek der Landeshauptstadt Wiesbaden einen Vortrag hielt.

Im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Wissenschaft findet Stadt“ des Wiesbadener Netzwerks der Wissenschaft sprach der Informatikprofessor der Hochschule RheinMain (HSRM) vor einem interessierten Publikum über Privathaushalte als Bausteine öffentlicher Sicherheitsnetze. Lokale Strominseln nennt Prof. Dr. Werntges diesen Ansatz. Seine Idee: Im Falle eines flächendeckenden Stromausfalls dienen speziell ausgestattete Privathaushalte als Versorger.

Dem Blackout den Schrecken nehmen

Technisch sei das bereits möglich, sagte Prof. Dr. Werntges, der in seinem eigenen Haus ein solches System nutzt. Vereinfacht gesagt bildet dort eine leistungsfähige Photovoltaikanlage auf dem Dach zusammen mit einem Batteriespeicher ein autarkes System. Denn ein sogenannter Netztrenner sorgt im Falle eines Stromausfalls dafür, dass Prof. Dr. Werntges seinen Haushalt eigenständig mit Strom versorgen kann – und als Strominsel für Nachbarhaushalte dienen kann. „Viele kleine solcher Strominseln nehmen dem Blackout den Schrecken“, so der Informatiker.

Nebenbei ergeben sich positive gesellschaftliche Aspekte: Die Menschen erleben Selbstwirksamkeit, Gemeinschaften bilden sich, und staatliche Hilfsangebote werden entlastet. Seinen Vortrag schloss Prof. Dr. Werntges daher mit einem politischen Vorschlag: Ein entsprechendes Förderprogramm, in dem Teile der Kosten übernommen werden, könnte gezielt Anreize schaffen, eine solche Strominsel zu betreiben, um so für den Ernstfall gerüstet zu sein.

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