Soziale Arbeit ist ein zentraler Bestandteil einer demokratischen Gesellschaft. Sie steht nicht außerhalb gesellschaftlicher Konflikte, sondern ist mitten drin: in den Lebenswelten junger Menschen, in fachlichen Aufträgen, in Finanzierungsfragen, in öffentlichen Debatten und im Selbstverständnis von Trägern und Fachkräften.
Die Jugend- und Familienministerkonferenz hat 2025 klargestellt, dass in der Sozialen Arbeit kein Neutralitätsgebot existiert. Es gilt vielmehr ein Unparteilichkeitsgebot. Das bedeutet jedoch keine Wertefreiheit oder Positionslosigkeit. Demokratie, Menschenrechte und der Schutz vor Diskriminierung gehören ausdrücklich zum fachlichen Auftrag.
Wissen teilen, Position beziehen, Träger vernetzen
Vor diesem Hintergrund hat die Hochschule RheinMain (HSRM) am 12. Juni gemeinsam mit zahlreichen Partnern zur Auftaktveranstaltung und zur Gründung des Netzwerks „Demokratie als Arbeitsauftrag für die Jugend(sozial)arbeit“ in das Audimax am Campus Kurt-Schumacher-Ring in Wiesbaden eingeladen. Ziel der Veranstaltung war es, Wissen zu teilen, Position zu beziehen und sich als freie und öffentliche Träger der Kinder- und Jugendhilfe in Wiesbaden zu vernetzen.
Der Vizepräsident der HSRM, Prof. Dr. Andreas Brensing, sagte in seinem Grußwort: „Demokratie, Menschenrechte und gesellschaftlicher Zusammenhalt sind zentrale Elemente unseres Leitbildes. Sie sind aber auch die Grundlage unserer Arbeit in Lehre und Forschung.“ Er bedankte sich bei allen an der Gründungsveranstaltung Beteiligten und erklärte: „Die Jugendsozialarbeit leistet einen unverzichtbaren Beitrag für unsere Demokratie.“
„Demokratie ist kein selbstverständlicher Zustand“
Prof. Dr. Kathrin Witek, Dekanin des Fachbereichs Sozialwesen, betonte: „Demokratie ist kein selbstverständlicher Zustand. Sie ist etwas, das immer wieder neu gelernt, eingeübt, gestützt, gestaltet werden muss.“ Gerade deshalb sei es wichtig sich mit Demokratie nicht nur als politischem Begriff zu beschäftigen, sondern in einer gelebten Praxis. In diesem Zusammenhang wies die Dekanin auch auf die neuen Studienangebote des Fachbereichs Sozialwesen hin.
Sabine Herrmann, Leiterin des Amts für Soziale Arbeit in Wiesbaden sieht die Stärkung der Demokratie als zentralen Auftrag der Sozialen Arbeit. Dabei sei Soziale Arbeit nie neutral: „Sie ist mittendrin. Sie ist immer politisch.“
Anna Blume Böttcher und Milana Rohrer stellten als ersten Input das Projekt „Ein- und Auswirkungen (extrem) rechter Diskursverschiebungen auf die Soziale Arbeit in Hessen“ vor, das von Prof. Dr. Johanna Sigl und Prof. Dr. Wiebke Dierkes geleitet wird. Anschließend sprach Prof. Dr. Miriam Burzlaff von der Hochschule Neubrandenburg zum Thema „Policy Practice: Politisches Engagement stärken, Demokratie verteidigen“.
Am Nachmittag fanden verschiedene Diskussionsformate zum neuen Netzwerk „Demokratie als Arbeitsauftrag für die Jugend(sozial)arbeit“ statt, um zu klären, wie mit rechten und autoritären Verschiebungen umgegangen werden kann und wie das Netzwerk künftig arbeiten wird.
Beteiligte Organisationen
- Spiegelbild – Politische Bildung aus Wiesbaden e. V.
- Stadtjugendring Wiesbaden
- BauHaus Werkstätten Wiesbaden
- Bildungswerk der hessischen Wirtschaft
- Amt für Soziale Arbeit – Abteilungen Jugendarbeit und Schulsozialarbeit Jugend
- Fach- und Koordinierungsstelle Demokratie Leben in Wiesbaden