Wie können Museen zu Orten werden, an denen wirklich alle willkommen sind? Im Theorie-Praxis-Projekt II „Inklusion im Museum" haben Studierende des Bachelorstudiengangs Soziale Arbeit zwei Semester lang nach Antworten gesucht. Bei der Online-Abschlusspräsentation im Sommersemester 2026 stellten sie vier Konzepte vor, die kulturelle Teilhabe in Wiesbaden konkret werden lassen.
Museen gelten oft als Orte der Kunstgeschichte: doch was haben sie mit Sozialer Arbeit zu tun? Eine ganze Menge, wie das Projekt unter der Leitung von Prof. Dr. Marion Kamphans zeigt. Ausgangspunkt war die Idee des Museums als „Dritter Ort" (Ray Oldenburg) und als soziale Infrastruktur (Eric Klinenberg): Räume jenseits von Zuhause und Arbeitsplatz, an denen Menschen unterschiedlicher Herkunft zusammenkommen, ins Gespräch finden und Teil der Stadtgesellschaft werden. Dass solche Begegnungsorte im Ernstfall sogar Leben retten können, belegt Klinenbergs Forschung zur Chicagoer Hitzewelle von 1995, bei der vor allem sozial isolierte Menschen ums Leben kamen.
Auf dieser Grundlage entwickelten die Studierenden vier fiktive, aber realitätsnahe Konzepte, fundiert recherchiert und eng an den Bedürfnissen der jeweiligen Zielgruppe ausgerichtet:
Fühl dein Museum macht Kunst für blinde und sehbeeinträchtigte Menschen erfahrbar: über Tasten, Riechen, Schmecken und Hören. In einer Workshopreihe im Landesmuseum Wiesbaden entdecken die Teilnehmenden Gemälde mit allen Sinnen und gestalten anschließend eigene Werke.
Kaffeekranz im Museum richtet sich an ältere Menschen und verbindet kulturelle Teilhabe mit Gesundheits-, Hitze- und Einsamkeitsprävention. Bei Kaffee, Kuchen und Gesellschaft im sam – Stadtmuseum am Markt entsteht ein niedrigschwelliger, wiederkehrender Treffpunkt.
sam – Museum auf Augenhöhe rückt Begegnung auf Augenhöhe in den Mittelpunkt und eröffnet Menschen, die im Museumsbetrieb oft wenig mitgedacht werden, neue Wege der Teilhabe.
Ich packe meinen Koffer nutzt den Koffer als pädagogische Methode in der postmigrantischen Gesellschaft, als Türöffner, der Menschen mit unterschiedlichen Hintergründen miteinander ins Gespräch bringt und das Ankommen in Wiesbaden erleichtert.
In ihrem Grußwort würdigte die Präsidentin der Hochschule RheinMain, Prof. Dr. Eva Waller, das gesellschaftliche Anliegen der Projekte:
„Kulturelle Teilhabe ist kein Luxus, sondern eine Frage sozialer Gerechtigkeit. Die Studierenden der Sozialen Arbeit zeigen mit ihren Konzepten, dass wissenschaftliche Erkenntnis, gesellschaftliche Verantwortung und kreative Praxis Hand in Hand gehen können."
Für die Studierenden war das Projekt auch eine Lektion in Sachen Praxisnähe: Von großen Ideen ging es zurück zu den Grundbausteinen, von der ersten Begeisterung zur Frage nach Finanzierbarkeit und Priorisierung. Vor allem aber, so ein Fazit aus der Abschlussrunde, wurde durch die Arbeit am Projekt bewusst, wie viele Barrieren einem Museumsbesuch noch immer im Weg stehen und wie viel Soziale Arbeit dazu beitragen kann, sie abzubauen.