10 Jahre Promotionsrecht für HAW in Hessen
Vom wissenschaftlichen Neuland zur Erfolgsgeschichte
Im Mai 2026 wurde im Museum Wiesbaden das 10-jährige Bestehen der Promotionszentren in Hessen gefeiert. Unter dem Motto „Zehn Jahre Promotionsrecht an den HAW in Hessen: Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft“ diskutierten Vertreter:innen und Vertreter aus Politik, Wissenschaft und Hochschulen Erfolge, Herausforderungen und Perspektiven des Promotionsrechts an Hochschulen für Angewandte Wissenschaften (HAW).
In den ersten zehn Jahren hat die HSRM bereits 26-mal den Doktorgrad verliehen, darunter die erste Promotion an einer HAW in Deutschland überhaupt.
Das sagen ehemalige Promovierende der HSRM
Lea Schwehn
Für mich ist der Rheingau einer der schönsten Orte Deutschlands. Die Region überzeugt nicht nur landschaftlich, sondern auch wirtschaftlich. Die Hochschule RheinMain ist tief im Wirtschaftsraum Rhein-Main verwurzelt. Hier sind Unternehmen ansässig, für die betriebliche Mobilität eine strategische Schlüsselrolle spielt. Die meisten Arbeitnehmer:innen pendeln. Genau das wollte ich für meine Forschung nutzen. An einer HAW forscht man nicht im stillen Kämmerlein, sondern mitten im Geschehen. Das war für mich der entscheidende Vorteil.
Sie hat alles verändert! Durch die regionale Vernetzung der Hochschule hatte ich früh Zugang zu Unternehmen, für die betriebliche Mobilität keine Theorie, sondern gelebte Realität ist – mit echten Herausforderungen, echten Daten und echten Entscheidungsträgern. Dadurch sind meine Forschungsfragen viel schärfer geworden: Aus „Was könnte theoretisch interessant sein?“ wurde „Was ist den Betrieben ein wirkliches Anliegen?“. Diese Perspektive ist der entscheidende Faktor zwischen einer Arbeit, die im Regal verstaubt, und einer, die tatsächlich etwas bewegt.
Ich würde es jederzeit wieder genauso machen. Die HSRM hat mir nicht nur eine Promotion ermöglicht, sondern mir auch ein Netzwerk und Praxisnähe vermittelt, von denen ich noch lange profitieren werde.
Dr. Marc Lieser
Die Hochschule RheinMain war für meine Promotion genau der richtige Ort, weil ich dort wissenschaftliche Freiheit und Praxisnähe in einem Umfeld mit regem Austausch und enger Betreuung verbinden konnte.
Ich hatte die Möglichkeit, nicht nur in einem spannenden Forschungsfeld zu arbeiten, sondern dieses Umfeld auch aktiv mitzugestalten: vom Aufbau der Computer Vision & Mixed Reality Group bis zur Entwicklung eines eigenen Drohnenfluglabors für die Forschung im Bereich Human-Drone Interaction.
Besonders wertvoll war für mich, dass ich meine technischen und gestalterischen Erfahrungen direkt in die wissenschaftliche Arbeit einbringen konnte. So wurde die Promotion für mich nicht zu einem rein theoretischen Projekt, sondern zu einer konsequenten Fortführung meiner praktischen Ausbildung, meines Studiums und meiner Tätigkeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Hochschule RheinMain.
Die Nähe zur Praxis hat meine Forschung vor allem dadurch geprägt, dass ich immer wieder vor realen technischen und menschlichen Fragestellungen stand: Wie kann eine Drohne ihre Absichten verständlich machen? Wie nah darf sie Menschen kommen? Wie kann Interaktion gelingen, ohne zusätzliche Hardware zu verbauen? Gerade im Bereich der Human-Drone Interaction ist es entscheidend, dass Forschung nicht nur theoretisch funktioniert, sondern sich im realen Flug und in der Interaktion mit Menschen bewährt.
Besonders spannend war für mich dabei die Herausforderung, fliegenden Robotern Formen nonverbaler Kommunikation zu verleihen, damit sie Menschen nicht nur unterstützen, sondern auch als vertrauenswürdige und angenehme Interaktionspartner wahrgenommen werden können – ohne dabei ihre Flugeffizienz zu beeinträchtigen. Daraus entstanden neuartige Ansätze zur Kommunikation über Rotorgeräusche, zur Vermittlung von Intentionen durch Flugbahnen und zur haptischen Interaktion.
Hinzu kamen Projekte mit mittelständischen Unternehmen, in denen Forschung unmittelbar auf praktische Anforderungen traf. Diese Verbindung aus wissenschaftlichem Anspruch und konkreter Anwendung war für mich persönlich sehr bereichernd.
Eine Promotion an einer Hochschule für Angewandte Wissenschaften verbindet wissenschaftliche Tiefe mit unmittelbarer Praxisnähe und eröffnet die Möglichkeit, Forschung wirksam und anwendungsorientiert zu gestalten.
Prof. Dr. Stefan Weidmann
Zuerst natürlich, weil mein Doktorvater Michael May als Professor an der Hochschule RheinMain tätig war. Außerdem war die HSRM mit der Gründung des Promotionszentrums der erste Ort, um in Sozialer Arbeit zu promovieren. Weil ich Sozialarbeiter bin und mir die Entwicklung dieser praxisbezogenen Profession immer am Herzen lag, war für mich die Promotion in der Sozialen Arbeit an einer HAW von besonderer Bedeutung.
Soziale Arbeit muss sich immer in der Praxis und an der Praxis bewähren. Das gilt auch für die Forschung und die Theoriebildung in der Sozialen Arbeit. Die Nähe zur Praxis, die auch in meiner Dissertation angelegt war, wird im Umfeld einer HAW besonders geschätzt und gefördert.
Die Nähe zur Praxis ist eine besondere Herausforderung für die theoriebezogene Auseinandersetzung mit dem Promotionsthema. Sie ist aber immer auch eine Bereicherung, weil sie inspiriert und die Relevanz der eigenen wissenschaftlichen Tätigkeit vor Augen führt.