AKTUELLE MELDUNGEN AUS DER HOCHSCHULE RHEINMAIN

"Keinen und sehr viel Respekt vor der deutschen Sprache"

Prof. Dr. Michael May und Saša Stanišić

Prof. Dr. Michael May und Saša Stanišić. © Hochschulkommunikation | Hochschule RheinMain

Saša Stanišić

© Hochschulkommunikation | Hochschule RheinMain

Es dauerte nur wenige Minuten und Saša Stanišić hatte das Publikum auf seiner Seite. Der 41-Jährige gab am Donnerstagmittag – bestens aufgelegt – seinen Einstand als Poetikdozent der Hochschule RheinMain und der Landeshauptstadt Wiesbaden. Mal ernst, mal humorvoll gewährte Stanišić im Gespräch mit Prof. Dr. Michael May vom Fachbereich Sozialwesen Einblicke in seine Arbeit als Schriftsteller, die eng mit seiner persönlichen Biografie verbunden ist.

Und so reihten sich am Campus Kurt-Schumacher-Ring an diesem Mittag Episoden aus seinen ersten Jahren in Deutschland, etwa seine ersten Versuche, schriftstellerisch tätig zu werden, an Beobachten aus seinem späteren Leben, die immer wieder Eingang in seine Werke fanden und finden. Sein erstes Gedicht beispielsweise schrieb Stanišić im Alter von 15 Jahren, gerade erst aus Jugoslawien nach Deutschland geflüchtet. Und zwar in deutscher Sprache, vor der er "keinen und sehr viel Respekt zugleich" habe, wie er selbst sagt. "Mit der deutschen Sprache kann ich Bedeutungen viel präziser lenken, ganze Milieus reproduzieren", so Stanišić. In seiner serbokroatischen Muttersprache gerieten seine Texte hingegen zu emotional, seien zu kitschig.

Kurze Lesung aus "HERKUNFT"

Nicht fehlen durfte natürlich sein neuestes Werk, für das Stanišić im Oktober mit dem Deutschen Buchpreis ausgezeichnet wurde. Aus seinem autobiografischen Roman "HERKUNFT" las er das Kapitel "Dr. Heimat", in dem er zunächst von seiner Kariesbehandlung durch einen deutschen Zahnarzt erzählt, es schließlich jedoch um die Annäherung zweier sich fremder und völlig unterschiedlicher Personen geht. Und so stand im Zentrum des Gesprächs immer wieder Stanišićs bewegte Biografie, der er heute viel Positives abgewinnen kann. "Brüche sind Quellen für Geschichten", sagt er. Für Stanišić selbst gilt das wohl in besonderer Weise.

Seine erste Vorlesung im Rahmen der Poetikdozentur hält Stanišić am 19. Februar in den Räumlichkeiten der Hochschul- und Landesbibliothek, eine zweite folgt am 29. April. Im Kulturforum Wiesbaden liest Stanišić am 2. April und 13. Mai. Weitere Informationen zur aktuellen Poetikdozentur.