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Smart Mobility

DIALOG IM MUSEUM #7: Stadt ohne Auto

Alena Büttner und Prof. Dr. Volker Blees in der Diskussion mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern © Lisa Mohr

Vortrag von Alena Büttner, Umweltbundesamt © Lisa Mohr

Diskussion mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern © Lisa Mohr

„Hat in der City von morgen das Auto von heute eine Chance?“ Knapp 150 Besucherinnen und Besucher kamen, um eine Antwort auf diese Frage zu erhalten. Diese Frage, vom Moderator des Abends, Volker Blees, Professor für Verkehrswesen an der Hochschule RheinMain, aus einer Ausgabe des Magazins ADAC Motorwelt aus dem Jahr 1970 zitiert, stand auch im Zentrum des Vortrags von Alena Büttner vom Umweltbundesamt, den sie im Rahmen der gestrigen siebten Ausgabe der IMPACT-Veranstaltungsreihe „DIALOG IM MUSEUM“ hielt.

Die Stadt für Morgen

In Ihrem Vortrag betonte Alena Büttner, dass Städte einer enormen Dynamik unterlägen. Vor allem die Anforderungen an Luftqualität und Lärmschutz sowie Nachverdichtung und Flächeninanspruchnahme würden diese vor Herausforderungen stellen. So würde ein Drittel der CO2-Emissionen des Straßenverkehrs innerorts anfallen. Von den NO2-Belastungen ginge 61 Prozent auf den Kfz-Verkehr zurück. Ein weiteres Problem, das auf den Straßenverkehr zurückzuführen ist, sei der hohe Flächenverbrauch für Straßen und Parkplätzen.

Dieser könne sinnvoller genutzt werden. Um eine Stadt für Menschen, anstelle der autogerechten Stadt, zu schaffen, müsse die Rolle des Autos neu definiert werden. Um dies zu erreichen, bedürfe es einer Senkung des Motorisierungsgrads von durchschnittlich 450 Pkw pro 1000 Einwohner auf 150 Pkw pro 1000 Einwohner. Weniger (private) Autos würden dazu führen, dass Stellplätze im öffentlichen Raum überflüssig würden, was mehr Platz für Grün und kompaktes Bauen ermögliche. Die Stadt der Zukunft wäre demnach eine Stadt der kurzen Wege, in der mehr Wert auf Fußläufigkeit gelegt werde, was zu weniger Luft- und Lärmbelastung und folglich einer lebenswerten Stadt führe.

In Großstädten sei dies leichter möglich, da hier bereits gut ausgebauter ÖPNV vorhanden wäre. Dieser würde das Rückgrat urbaner Mobilität darstellen, ergänzt um Rad- und Fußverkehr sowie Carsharing mit E-Autos.

Zustimmung zur Vision, Zweifel an der Umsetzung

In der anschließenden Diskussion im Fish-Bowl-Format wurde vonseiten der Diskussionsteilnehmerinnen und -teilnehmer grundsätzlich Zustimmung geäußert. Jedoch gingen diese vor allem auf die Schwierigkeiten ein, die vorgestellten Maßnahmen umzusetzen.

So kritisierte ein Teilnehmer, dass bereits heute umsetzbare Maßnahmen nicht durchgeführt werden würden. Als Beispiele nannte er Bedarfsampeln für Fußgänger, die innerhalb von 30 Sekunden auf Grün schalten, oder die Aufstellung von Pollern, um das Parken am Straßenrand zu verhindern. Eine andere Teilnehmerin kritisierte die hohe Zahl an vorgeschriebenen Stellplätzen durch die Stellplatzsatzungen der Städte. Als weiteres Problem identifizierte ein Teilnehmer auch das Verhalten vieler Verkehrsteilnehmer, das auf der Vorstellung beruhe, das Auto sei primär kein Fortbewegungsmittel, sondern Statussymbol bzw. ein „rollendes Wohnzimmer“.

Frau Büttner erwiderte, dass das Umweltbundesamt zwar Visionen entwerfe, jedoch auch Kommunen zu konkreten Maßnahmen berät. Gerade jedoch, wenn es um die Frage des Verkehrsverhaltens ginge, seien Veränderungen nur schwer umzusetzen. Im Autoverkehr sei Bequemlichkeit ein starker Faktor. Eine Möglichkeit, hier anzusetzen, seien Pilotprojekte, die die Vorteile von autofreien bzw. autoarmen Räumen zeigen. Prof. Blees ergänzte, dass die Schwierigkeit auch darin bestünde, dass viele Familien ihr Verkehrsverhalten um das Auto herum ausgerichtet hätten. Hier fehle es noch, so Alena Büttner, an einer Strategie sowie Forschung vonseiten des Umweltbundesamts. Wichtig wäre, bestätigte eine Teilnehmerin von der Mainzer Mobilität, das eigene Verkehrsverhalten zu hinterfragen und beispielsweise „mal das Auto stehenzulassen“.

Diesen Gedanken griff Prof. Heimer auch in seinem Schlusswort auf, jedoch mit Blick auf kommunalpolitische Prozesse. Wichtig sei, wie die Veranstaltung gezeigt habe, der Input von Bürgerinnen und Bürgern. Maßnahmen, die von oben herab geplant und durchgeführt würden, gehörten der Vergangenheit an.