AKTUELLE MELDUNGEN AUS DEM FACHBEREICH SOZIALWESEN

Transdisziplinäres Forschungsprojekt SHELTER

Logo des Projekts SHELTER

Zum Wintersemester 2019/2020 ist das transdisziplinäre Forschungsprojekt SHELTER der Hochschule Mannheim und der Hochschule RheinMain gestartet. Das Vorhaben mit einem Fördervolumen von knapp einer Million Euro hat das Ziel, für alle Erwachsenen, die seit ihrer Kindheit sexualisierte Gewalt erlebt haben, inklusiv-vireale Auffang-, Schutz-, Begegnungs- und Beratungsräume zu entwickeln. Vireal bedeutet, dass virtuelle und reale Welten in einer digitalisierten Gesellschaft verbunden und nicht getrennt erlebt werden und somit entsprechende Angebote entwickelt werden müssen.

"Mit SHELTER wollen wir innovative narrative Kommunikationsräume für Betroffene öffnen und Angebote für die Beratungspraxis neu entwickeln, in denen sie ihre Anliegen selbst artikulieren können. Dies impliziert auf der einen Seite die gesellschaftliche Anerkennung des erfahrenen Leides. Auf der anderen Seite sollen sie den Betroffenen eine digitale und intersektionale Inklusion ermöglichen. Intersektionalität bezieht sich dabei auf die mögliche Überschneidung von verschiedenen gesellschaftlichen Kategorisierungen, die auch mit Diskriminierung einhergehen können", erklärt Prof. Dr. Heidrun Schulze vom Fachbereich Sozialwesen, die das Projekt an der Hochschule RheinMain in Wiesbaden leitet. Die Anerkennung ist auf Dialog und Kommunikation ausgerichtet, die Inklusion wird als eine wechselseitige Integration der betroffenen Menschen verstanden.

Bedürfnisorientierte vireale Kommunikationsräume

Unter Einbeziehung ihrer diversen Lebenslagen und Bewältigungsformen sowie einer sozialpolitischen Anerkennung werden bedürfnisorientierte vireale Kommunikationsräume für die Betroffenen angeboten. "Wir haben bereits viel in analogen sozialräumlichen Kontexten gearbeitet. Nun wollen wir mit einer vielfältig gestalteten Umgebung, das heißt mit physischen sowie digitalen Kommunikations-, Beratungs- und Vernetzungsräumen, weitere Möglichkeiten schaffen. Dabei sollen die Bewältigungserfahrungen zur Resilienz- und Ressourcenstärkung der Betroffenen im Vordergrund stehen", sagt die Projektkoordinatorin und -leiterin des Verbundprojektes der Hochschulen an den Standorten Mannheim und Wiesbaden, Prof. Dr. Susanne Lang von der Fakultät für Sozialwesen an der Hochschule Mannheim.

Transdisziplinärer Lösungsansatz

Mit dem Lösungsansatz des "Design Thinking" werden im Rahmen multiperspektivisch-partizipativer Forschung zunächst die Bedarfe der Betroffenen erhoben. Die Ergebnisse werden in Wissenschaft-Praxis-Kooperationen in intensiver Zusammenarbeit für die Beratungspraxis umgesetzt und in Iterationsschleifen weiterentwickelt. "Uns ist es wichtig, für dieses Vorhaben in einem iterativen Verfahren maximal menschengerechte Lösungen zu schaffen", erklären die Professoren Dr. Peter Kaiser und Prof. Dr. Frank Dopatka, die im transdisziplinären Forschungsteam SHELTER den kommunikationstechnologischen Forschungsaspekt an der Hochschule Mannheim repräsentieren. Dem Projekt SHELTER steht weiterhin der Architekt, Prof. Dr. Martin Kim beratend zur Seite, der an der Hochschule Mannheim die Professur mit der Denomination "Kommunikation im Raum" an der Fakultät für Gestaltung vertritt.
Von der Bedürfniserhebung, über die Entwicklungsphasen bis hin zur Implementierung sollen insbesondere die Fachberatungsstellen von dem wissenschaftlich entwickelten, digital-inklusiven, intersektionalen Institutionenkonzept profitieren. Eine bisher in der Fachberatung gegen sexualisierte Gewalt wenig beachtete Personengruppe und deren Bedarfe an institutionalisierter Beratung soll damit in den Mittelpunkt gerückt werden.

Zum Projekthintergrund

Verbundpartnerinnen im Projekt SHELTER sind die Hochschule Mannheim und die Hochschule RheinMain in Wiesbaden. Mit der Förderung von drei transdisziplinären Qualifikationsstellen, davon zwei an der Hochschule Mannheim und einer an der Hochschule RheinMain Wiesbaden, sind mit dem Projekt SHELTER insgesamt drei kooperative Promotionen am hochschulübergreifenden Promotionszentrum für Soziale Arbeit in Hessen verbunden. Das Forschungsprojekt wird durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF, FKZ: 13FH522SB7) über vier Jahre mit 950.596,44 Euro unterstützt. Zuvor durchlief es im Rahmen der BMBF-Förderlinie FH Sozial 2017: „Lebensqualität durch soziale Innovationen“ eine zweistufige Begutachtung im Themenfeld: "Soziale Innovationen durch digitale Inklusion".