AKTUELLE MELDUNGEN AUS DEM FACHBEREICH SOZIALWESEN

Participation for Protection

Wortwolke aus Antworten, auf die während der quantitativen Befragung gestellte, offene Frage, was Kindern und Jugendlichen mit Gewalterfahrungen am besten helfen würde.

Wortwolke aus Antworten, auf die während der quantitativen Befragung gestellte, offene Frage, was Kindern und Jugendlichen mit Gewalterfahrungen am besten helfen würde.

In einem europaweiten Forschungsprojekt wurde untersucht, welche Unterstützung sich von Gewalt betroffene Kinder und Jugendliche wünschen. Erstmals waren diese dabei selbst in die Konzeption und Auswertung der Untersuchung eingebunden.  
Auch der Fachbereich Sozialwesen der Hochschule RheinMain beteiligte sich neben acht weiteren Institutionen an dem kinderrechtebasierten Forschungsprojekt unter der Leitung des Centre for Children’s Rights an der Queen’s University in Belfast. Gefördert wird das Projekt vom Rights, Equality and Citizenship-Programm der Europäischen Union.

Ziel des Forschungsprojektes „Participation for Protection“ (P4P) ist die Verbesserung des Kinderschutzes und die Umsetzung der Kinderrechte auf europäischer Ebene. Durch eine quantitative Befragung von insgesamt 1.274 Kindern und Jugendlichen in Belgien, Deutschland, Großbritannien, Irland, Österreich und Rumänien sowie in qualitativen Fokusgruppengesprächen wurde erhoben, was Kinder unter Gewalt verstehen und welche Unterstützung sie sich als Betroffene von Gewalt wünschen würden. Auf Basis dieser Ergebnisse wurden Schulungsmaterialien für Fachkräfte und Informationsmaterial für Kinder erstellt. Als Forschungsteam der Hochschule RheinMain waren hieran, unter der Leitung von Prof. Dr. Heidrun Schulze, Prof. Dr. Tanja Grendel, Prof. Dr. Davina Höblich und Rita Nunes beteiligt.

Basis des Forschungsvorhabens ist die UN-Kinderrechtskonvention. „Hier wurden Kinder 1989 erstmals ausdrücklich als Rechtssubjekte anerkannt“, so Prof. Dr. Heidrun Schulze „Wenn Erwachsene über die Köpfe von Kindern und Jugendlichen hinweg entscheiden, so ist dies ein menschenrechtliches Problem. In Deutschland und auch international wird die mangelnde Partizipation von Kindern noch immer stark kritisiert.“

Aus diesem Grund verfolgt das Projekt „Participation for Protection“ bewusst den Ansatz, die Perspektiven und Bedürfnisse von Kindern und Jugendlichen zu erfassen und darzustellen. Zudem waren Kinder und Jugendliche in zwei Beratungsgruppen in alle Phasen des Forschungsprozesses eingebunden, wie etwa in die Entwicklung der Forschungsfragen, die Interpretation der Ergebnisse und die Erstellung der Schulungsmaterialien.

Gewaltverständnis von Kindern und Jugendlichen

Als Gewalt wurde von den Kindern und Jugendlichen vornehmlich körperliche Gewalt wahrgenommen. So kategorisierten 79 Prozent der europaweit quantitativ Befragten Gewalthandlungen wie Schläge als Gewalt (Deutschland: 63,8 Prozent), während psychische Gewalt nur dem Gewaltverständnis von 49 Prozent der Kinder und Jugendlichen entsprach (Deutschland: 37,8 Prozent). Bei Vernachlässigung waren es lediglich 36 Prozent (Deutschland: 21,1 Prozent).
Auffallend ist zudem die Normalisierung und Toleranz von Gewalt, die in den europaweit geführten Fokusgruppengesprächen deutlich wurde. Hier gaben Kinder und Jugendliche wiederholt an, dass körperliche Gewalt von Eltern oder anderen Familienmitgliedern aus gutem Grund oder nur zu ihrem Besten ausgeübt werde. „Übergriffe von Außenstehenden wurden dagegen eindeutig als Gewalt identifiziert und nicht akzeptiert“, so Rita Nunes.

Wahrnehmung von Hilfsangeboten

In der quantitativen Befragung gaben europaweit 48 Prozent der Kinder und Jugendlichen an, dass sie sich bei Gewalterfahrungen an Familie, Freunde, Lehrkräfte oder die Polizei wenden würden. „Unter den in Deutschland befragten Kindern und Jugendlichen waren dies lediglich 31,1 Prozent“, so Prof. Dr. Davina Höblich.
Auf die Frage, aus welchem Grund Kinder und Jugendliche keine Hilfe aufsuchen, vermuteten 66 Prozent der europaweit Befragten, dass diese annehmen, damit die Situation zu verschlimmern. 55 Prozent nannten die Befürchtung, die Gewalt ausübende Person könnte dies herausfinden, 38 Prozent wählten aber auch die Option „sie wissen nicht, wo sie Hilfe bekommen können“, als möglichen Grund aus.

In den Fokusgruppengesprächen gingen die beteiligten Kinder und Jugendlichen zudem darauf ein, welche Unterstützung sie sich von Fachkräften wünschen würden. „Die Kinder und Jugendlichen benannten sehr konkret, was sie benötigen“, so Prof. Dr. Tanja Grendel. Im Fokus stand hier besonders, dass die Fachkräfte den Kindern und Jugendlichen aufmerksam zuhören sollten sowie der Wunsch, ernst genommen und respektvoll behandelt zu werden.
„Gebt uns Informationen über Gesetze und Rechte!“, so fasste ein Kind, der in  Deutschland befragten Fokusgruppe „Häusliche Gewalt/Familiale Gewalt“ das Bedürfnis nach Information und Beteiligung zusammen.

Die vollständigen Forschungsergebnisse der acht Projektpartner, Informationsmaterialien für Kinder und Jugendliche sowie die Schulungsmaterialien für Fachkräfte können auf der Seite des Forschungsinstituts für Soziale Arbeit der Hochschule RheinMain (FoRM) heruntergeladen werden.

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