Im Frühjahr 2026 nahmen Studierende des Fachbereichs Architektur und Bauingenieurwesen der Hochschule RheinMain (HSRM) unter der Leitung von Prof. Sascha Luippold und Sarah Mesz an einem internationalen Vor-Ort-Seminar in Portugal teil. Die Exkursion war Teil der Seminarreihe Climate-Friendly Construction – On-Site und widmete sich der frühen Bauphase einer innovativen Bambuskonstruktion an der Praia do Barril in der Nähe von Tavira.
Der Workshop bildete den offiziellen Auftakt der Bauphase und stellte damit einen wesentlichen Bestandteil der gesamten Projektentwicklung dar. Er bot den Studierenden die besondere Gelegenheit, unmittelbar in ein internationales Bauumfeld einzutauchen und nachhaltiges Bauen mit biobasierten Materialien nicht nur theoretisch, sondern auch praktisch zu erfahren. Durch Unternehmensbesichtigungen, Fachvorträge und praktische Mitarbeit erhielten die Teilnehmer:innen wertvolle Einblicke in das Potenzial von Bambus als Baustoff in der zeitgenössischen Architektur und im Ingenieurwesen.
Von der Pflanze zum Baustoff
Das Seminar begann mit einem Besuch im Bambuparque, bei dem die Studierenden die gesamte Wertschöpfungskette von Bambus als Baustoff nachvollziehen konnten. Vom Anbau und der Ernte über die Behandlung bis hin zur baulichen Anwendung vermittelte der Besuch ein umfassendes Verständnis dafür, wie eine schnell nachwachsende Pflanze zu einem leistungsfähigen Baustoff weiterentwickelt werden kann.
Ein weiterer Besuch führte zu einem der größten Hersteller von Hanfziegeln in Europa. Dort erhielten die Studierenden Einblicke in die Produktionsprozesse, die Materialeigenschaften sowie die Bedeutung hanfbasierter Produkte für das nachhaltige Bauen.
Internationale Zusammenarbeit an einer innovativen Bambuskonstruktion
Der praktische Schwerpunkt des Workshops lag auf der ersten Bauphase einer innovativen Bambuskonstruktion in Portugal. Das als Pavillon für eine Strandbar entworfene Projekt basiert auf komplexen Geometrien wie hyperbolischen Paraboloiden und verdeutlicht, wie Ingenieurwesen mit Bambus die strengen europäischen Statikstandards erfüllen und gleichzeitig neue internationale Bauansätze integrieren kann.
Im Auftrag von Manuel Saporiti und nach dem Entwurf von Luis Gama Studio wurde die Konstruktion zunächst unter der Koordination des international anerkannten Bambusexperten Jörg Stamm vor Ort begonnen. Später wurde die weitere Bauleitung von Quincha Bambu übernommen, wobei ein vielfältiges Team aus nationalen und internationalen Spezialist:innen zusammengeführt wurde.
Während des Workshops erhielten die Studierenden durch eine Reihe von Fachvorträgen wertvolle Einblicke, die theoretische Grundlagen mit praktischen Anwendungen verbanden. Das Ingenieurbüro AsaliBali vermittelte dabei Kenntnisse zu Methoden der statischen Berechnung und ermöglichte den Studierenden ein besseres Verständnis dafür, wie derartige Bauwerke in der Ingenieurpraxis berechnet und überprüft werden. Darüber hinaus stellte Luis Felipe Lopez von der Base Bahay Foundation internationale Normen und rechtliche Rahmenbedingungen für den Bambusbau vor. Sein Beitrag bildete zudem den Ausgangspunkt für eine langfristige Zusammenarbeit mit der Universität, aus der später Praktikumsmöglichkeiten auf den Philippinen entstanden. Mehrere Studierende haben sich bereits für diese Positionen beworben.
Während des gesamten Workshops wurden die Studierenden mit fortgeschrittenen räumlichen und statischen Systemen, einschließlich hyperbolischer Geometrien, vertraut gemacht und sammelten gleichzeitig praktische Erfahrungen vor Ort in den Bereichen Bautechniken, Materialverarbeitung und Montageprozesse.
„Von Anfang an gingen die Studierenden mit bemerkenswerter Begeisterung und Engagement an das Projekt heran. Sie nahmen jede Herausforderung mit Neugier und Einsatzbereitschaft an und entwickelten sich innerhalb kürzester Zeit zu einem starken Team, das sich gegenseitig unterstützte.“
– Sarah Mesz, wissenschaftliche Mitarbeiterin am HSRM
Lernen durch Praxis und internationalen Austausch
Durch die direkte Arbeit vor Ort konnten die Studierenden aktiv an den frühen Phasen eines realen Bauprojekts teilnehmen und theoretisches Wissen in die praktische Anwendung umsetzen. Einige Teilnehmer:innen entschieden sich dafür, ihr Engagement über die offizielle Workshop-Dauer hinaus fortzusetzen.
Die Erfahrung hatte einen starken akademischen Einfluss und inspirierte zu weiteren Forschungsarbeiten innerhalb der Fakultät, darunter eine Bachelorarbeit im Fach Bauingenieurwesen, die sich mit der statischen Analyse des Projekts befasste. Über das technische Lernen hinaus förderte der Workshop den internationalen Austausch, die Teamarbeit und ein tieferes Bewusstsein für nachhaltige Baupraktiken unter Verwendung nachwachsender Materialien.
[Als Hilfsmittel wurde KI in die Texterstellung einbezogen.]