Wie wird man eigentlich Ukraine-Beauftragter des Fachbereichs?
Der russische Überfall auf die Ukraine im Februar 2022 hat auch uns am Fachbereich kalt erwischt. Rasch mussten Maßnahmen getroffen werden, für Studierende aus der Ukraine, deren Land sich plötzlich im Krieg befand, aber auch für russische Studierende, die nicht mehr in ihre Heimat zurückkehren wollten.
In diesem Kontext haben Hochschulleitung und Dekanat energisch gehandelt. Die Schaffung des Amtes eines Ukraine-Beauftragten war Teil eines Pakets. Meine engen Kontakte in die Ukraine, insbesondere die Kooperation mit der Universität Czernowitz machten mich zum Kandidaten für dieses Amt.
Wie haben sich Hochschule und Fachbereich engagiert?
Die Wiesbaden Business School hat sich besonders engagiert und aus eigenen Mitteln vier Stipendien für Forschende aus der Ukraine ausgeschrieben. Bereits im März 2022 konnten wir drei Gastwissenschaftler:innen in Wiesbaden aufnehmen. Sie kamen mit ihren Familien aus Charkiw und Kiew. Da mussten wir Unterkünfte organisieren, bei Behördengängen unterstützen und die Integration am Fachbereich bewältigen. Zwei von ihnen sind immer noch am Fachbereich.
Zur Stärkung des wissenschaftlichen Austausches haben wir unsere Kontakte zu Hochschulen in der Ukraine ausgebaut. Immer wieder trage ich auf Konferenzen vor. Mehrfach konnten wir zu Veranstaltungen ukrainische Kolleg:innen in Wiesbaden willkommen heißen. Daraus sind mehrere Publikationen entstanden.
Was sind die weiteren Pläne?
Noch immer sind Kolleginnen aus der Ukraine an der Wiesbaden Business School tätig. Wir freuen uns sehr, dass eine von ihnen unlängst eine Förderung durch den HessenFonds für Geflüchtete und Verfolgte erhalten hat.
Aktuell organisieren wir am Fachbereich eine Summer School zum Thema "European Integration of Ukraine". Diese richtet sich in erster Linie an Studierende aus der Ukraine. Dort werden wir uns mit den ökonomischen und rechtlichen Fragen eines EU-Beitritts befassen. Das ist eine wichtige Perspektive für die Zukunft dieses geschundenen Landes.
Damit möchten wir das Fundament für eine engere Kooperation mit ukrainischen Hochschulen weiter ausbauen. Wenn in der Ukraine endlich Frieden einkehrt, worauf wir alle hoffen, wird es einen ungeheuren Bedarf an Unterstützung und Austausch geben. Darauf freuen wir uns!