Die zweisemestrige Lehrveranstaltung von Dr. Esther Kronsbein war mehr als ein „Blick über den Tellerrand“ – eher eine intensive Begegnung mit anderen Perspektiven. In Zusammenarbeit mit der Mainzer Kinderhilfsorganisation HUMAN HELP NETWORK e.V. und ihren beiden Partnerorganisationen in Uganda und Ruanda beschäftigten sich Studierende des Bachelor-Studiengangs Soziale Arbeit der HSRM mit Projekten der internationalen Sozialen Arbeit. Das Ergebnis ist eine umfangreiche Evaluation von vier Projekten, zwei in Ruanda und zwei Uganda. Neben der Armutsbekämpfung, z.B. durch einkommensschaffende Maßnahmen und Bildung, liegt in diesen Projekten ein besonderes Augenmerk auf psychosozialer Unterstützung, z.B. Alltagsbegleitung, Konfliktlösung und Bearbeitung psychischer Krisen. Hinzu kommen gesundheitsbezogene Aspekte wie Sexual & Reproductive Health (SRH) Trainings und Zugang zu Gesundheitsversorgung.
Die Projektteilnehmenden schilderten im Rahmen der Evaluation, inwiefern die Arbeit der multiprofessionellen Teams vor Ort ihre Bedürfnisse deckt – und wo noch Entwicklungsbedarf besteht. In drei Kooperativen (Genossenschaften) wurden zudem Fragen zur Gruppendynamik gestellt und damit der Fokus darauf gelegt, inwiefern Soziale Arbeit hier zur Überwindung von Konflikten und Schaffung nachhaltiger solidarischer Strukturen beitragen kann. Die Leitfäden zur Befragung hatten die Studierenden in Gruppenarbeit entworfen.
Doch zunächst galt es, den Kontext kennenzulernen. Im ersten Semester ihres Theorie-Praxis-Projekts entdeckten die Studierenden theoretische Grundlagen zu internationaler Sozialer Arbeit, postkolonialen Ansätzen, Sozialer Arbeit des Globalen Südens, Kritik am Entwicklungsdenken und am Machtgefälle in Nord-Süd-Partnerschaften – aber auch die Geschichte und wichtige Aspekte der heutigen Situation von Uganda und Ruanda.
Eine Exkursion nach Ruanda im Oktober 2025 ermöglichte Einblicke in den Alltag der Menschen vor Ort. Die Studierenden erlebten sowohl die Arbeit in den Kooperativen, als auch die persönlichen Lebensumstände einzelner Kooperativenmitglieder, in Form von Hausbesuchen. Sie hatten Gelegenheit zum Austausch mit Fachkräften vor Ort.
Das zweite Semester des Projekts stand im Zeichen der Auswertung der Befragung sowie der Erstellung eines Evaluationsberichts. Die Herausforderung, ihre Ergebnisse auf Englisch zu verschriftlichen und in einer Online-Konferenz den Fachkräften vor Ort zu präsentieren, meisterten die Studierenden mit Bravour. So können die Evaluationsergebnisse in die aktuellen Überlegungen zur Projektentwicklung zwischen HUMAN HELP NETWORK e.V. und seinen Partnern in Ruanda und Uganda einfließen. Für die Studierenden wiederum wurde Praxistransfer konkret erlebbar.