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Zwischen KI, Mode und Medienrealität: Wenn Alumni den Blick in die Zukunft der Content-Produktion öffnen

Media-Management-Alumni Mario Truss und David Wenzel zeigten in ihrem Online-Vortrag, wie KI Mode, Medienproduktion und Content-Strategien transformiert. Ihr Beitrag verband Praxiswissen, medienwissenschaftliche Perspektiven und Verantwortung im Umgang mit generativer KI.

Am 10. November begrüßten wir in der Vorlesung Medienwissenschaften (Studiengang “Media Management”, B.Sc.) zwei besondere Gäste: Die Media-Management-Alumni Mario Truss (Adobe) und David Wenzel (Freepik) kehrten als junge Experten & Professionals an die Hochschule zurück, um über aktuelle Entwicklungen an der Schnittstelle von Künstlicher Intelligenz, Mode und Medienproduktion zu sprechen. Beide gehören zu einer Generation von Medienmanagerinnen und Medienmanagern, die unmittelbar in einem Feld arbeiten, das sich durch generative KI in rasantem Tempo verändert. Ihr Onlline-Vortrag bot den mehr als 50 anwesenden Media-Management-Studierenden einen rhetorisch-lebendigen, praxisnahen, zugleich wissenschaftlich hochrelevanten Einblick in eine Medienwelt, in der Inhalte nicht mehr nur produziert, sondern zunehmend generiert werden.

Schon zu Beginn wurde deutlich, wie eng die beruflichen Wege der beiden mit den Themen verknüpft sind, die heute die medienwissenschaftliche Debatte prägen. David Wenzel schilderte, wie er über sein KI-Start-up im Bereich Virtual Try-On und KI-generierter Modekampagnen in die internationale Medien- und Contentplattform Freepik wechselte. Mario Truss wiederum berichtete von seiner Arbeit bei Adobe, wo Datenanalyse, generative KI und kreative Medienproduktion täglich ineinandergreifen. Beide machten sichtbar, wie wichtig es geworden ist, nicht nur gestalterisch tätig zu sein, sondern ebenso die Funktionslogiken, Trainingsmechanismen und Wirkweisen von KI-Modellen zu verstehen.

Ein Schwerpunkt ihres Vortrags lag auf der Frage, wie sich Content-Produktion durch multimodale KI grundlegend wandelt. Die beiden Experten zeigten eindrucksvoll, dass klassische Produktionsprozesse – von Studiofotografie über Modelbuchungen bis hin zu Postproduktion – zunehmend durch automatisierte und KI-generierte Varianten ergänzt werden. Bilder, Videos, Avatare oder sogar komplette Influencer-Persönlichkeiten können heute innerhalb weniger Sekunden auf professionellem Niveau erzeugt werden. Dabei entstehen nicht nur ästhetisch überzeugende Ergebnisse, sondern vor allem neue Möglichkeiten der Hyperpersonalisierung: Modekampagnen lassen sich in verschiedensten kulturellen, körperlichen und stilistischen Varianten ausspielen, ohne dass reale Shootings nötig sind. Kundinnen und Kunden können Mode durch Virtual Try-On an sich selbst erleben, generiert aus einem einzigen Foto. All dies führt zu vollkommen neuen Wertschöpfungsketten im Mode- und Kommunikationsbereich.

Darüber hinaus zeigten Truss und Wenzel anhand zahlreicher Beispiele, dass KI-generierte Inhalte auf einem Niveau angekommen sind, das reale Aufnahmen kaum noch unterscheidbar macht. Besonders beeindruckend waren Demonstrationen zu synthetischen Videos, deren Mimik, Lippensynchronität und Bewegungsdynamik eine Qualität erreicht haben, die noch zu Jahresbeginn nicht denkbar gewesen wäre. Dadurch entstehen völlig neue Herausforderungen für medienwissenschaftliche Analyse, insbesondere in Bezug auf Fragen der Wahrnehmung, der Glaubwürdigkeit und des Vertrauens. Die klassische Frage „Ist das echt?“ verliert ihre Gültigkeit – und macht neue Formen der Medienkritik und Quellenprüfung notwendig.

In diesem Zusammenhang betonten die Alumni, dass Medienwissenschaft ohne technologische Kompetenz künftig unvollständig bleibt. Studierende müssen verstehen, wie Modelle wie Stable Diffusion, Firefly, Sora oder Veo funktionieren, wie sie trainiert werden und welche Effekte – beabsichtigt wie unbeabsichtigt – sie erzeugen können. Nur wer die Funktionsweise der Tools begreift, kann mediale Phänomene richtig einordnen, interpretieren und kritisch reflektieren. Der Vortrag zeigte damit beispielhaft, wie Theorie und Praxis in der medienwissenschaftlichen Ausbildung verschmelzen müssen: Wahrnehmungstheorien, Kommunikationsmodelle und Medienethik gewinnen erst im Zusammenspiel mit praktischem KI-Wissen ihre heutige Relevanz.

Ein weiterer zentraler Punkt war die Frage der Verantwortung. KI eröffnet kreative Möglichkeiten, birgt aber zugleich Missbrauchsrisiken – von Desinformation über täuschend echte Deepfakes bis hin zu ungekennzeichneten KI-Kampagnen. Truss und Wenzel erklärten, wie Initiativen wie die Content Authenticity Initiative versuchen, Transparenz herzustellen, etwa durch digitale Wasserzeichen und nachverfolgbare Herkunftsinformationen. Doch sie machten gleichzeitig deutlich, dass technische Lösungen allein nicht ausreichen. Medienexpertinnen und -experten benötigen die Fähigkeit, Regeln, Rahmenbedingungen und ethische Standards aktiv mitzugestalten. Genau hier treffen angewandte Medienwissenschaft und gesellschaftliche Verantwortung unmittelbar aufeinander.

Am Ende des Vortrags wurde deutlich, wie wertvoll der Austausch zwischen Alumni und aktuellen Studierenden, die gerade ihre Bachelorarbeiten schreiben, ist. Truss und Wenzel kehrten nicht nur als Fachleute, sondern auch als Vorbilder zurück: als Menschen, die zeigen, wie schnell sich Medienkarrieren entwickeln können und wie wichtig es ist, neugierig zu bleiben, mutig zu experimentieren und Medienwissenschaft immer auch als praktisches Handwerk zu begreifen. Ihre Rückkehr an die Hochschule beweist, wie lebendig angewandte Wissenschaft sein kann, wenn Wissen im Kreis zwischen Studium, Berufspraxis und Lehre fortlaufend weitergegeben wird.

Mit den besten Wünschen für die beiden blicken wir gespannt auf ihre nächsten Schritte – und hoffen zugleich, dass ihr Besuch auch ein Anstoß für die heutige Studierendengeneration ist: in einigen Jahren selbst als Alumni zurückzukehren, ihre Erfahrungen einzubringen und so das Netzwerk zwischen Hochschule und beruflicher Realität weiter zu stärken.

Prof. Dr. Dr. Alexander Moutchnik