Im Interview sprechen Prof. Dr. Eva Waller, Präsidentin der HSRM, und Dr. Tina Klug, Kanzlerin der Hochschule, über die durch den neuen Hochschulpakt bedingten Herausforderungen, mögliche Einsparpotenziale und strategische Überlegungen.
Welche zentralen Änderungen bringt der neue Hochschulpakt für die HSRM im Vergleich zur vorherigen Förderperiode?
Prof. Dr. Eva Waller: Der neue Hochschulpakt bringt deutlich veränderte finanzielle Rahmenbedingungen. Wir bekommen zwar in unserem sogenannten Grundbudget mehr Geld, weil einige Projektgelder darin verschoben werden. Allerdings werden die gestiegenen Personal- und Infrastrukturkosten der letzten Jahre mit dem Hochschulpakt nicht ausgeglichen. Wie ich schon in der Personalversammlung gesagt habe, bietet der Hochschulpakt aber immerhin Planungssicherheit bis 2031.
Die Alternative bei Nichtunterzeichnung wäre gewesen, das Budget der Hochschule jährlich neu zu verhandeln. Aus zwei nicht optimalen Alternativen haben wir uns also im Einvernehmen mit dem Senat für die bessere im Sinne der Hochschule entschieden.
Wo sehen Sie die größten Chancen und Risiken der kommenden Jahre im Spannungsfeld von Qualität, Wachstum und Konsolidierung?
Dr. Tina Klug: Die Sicherung der Zukunftsfähigkeit bedeutet, dass wir Prozesse vereinfachen, Bürokratie abbauen und Ressourcen stärker an strategischen Zielen ausrichten müssen.
Ein positiver Aspekt ist, dass der Hochschulpakt ausdrücklich Flexibilität bei der Budgetbewirtschaftung ermöglicht. Wir können mit den Mitteln über die Paktlaufzeit planen und selbst Prioritäten setzen.
Eine der größten Herausforderungen ist nicht finanzieller Natur: Konsolidierung erzeugt Unsicherheit. Deshalb ist es uns so wichtig, diesen Prozess offen, transparent und dialogorientiert zu gestalten. Zukunftsfähigkeit ist für uns nicht nur eine Frage von Zahlen, sondern von Vertrauen und Zusammenarbeit.
Welche strategischen Überlegungen sind aus Ihrer Sicht für den Konsolidierungsprozess leitend?
Waller: Ich spreche statt von Konsolidierungsprozess lieber von einem Prozess, der die Zukunftsfähigkeit unserer Hochschule sichert. Handlungsleitend sind die in den letzten Jahren entwickelten Strategien unserer Hochschule. Maßgeblich für den Prozess sind für uns die Leitprinzipien „festigen, stärken, sichern“. Wir sichern Verlässlichkeit im Betrieb, bauen unsere Stärken gezielt aus und richten die Hochschule nachhaltig auf die Zukunft aus. Der Konsolidierungsprozess ist klar strukturiert: Ideen werden gesammelt, bewertet und priorisiert, damit wir fundierte und qualitative Entscheidungen treffen können.
Welche Rolle im Prozess spielt der Konsolidierungsrat und wie arbeitet dieser mit dem Präsidium zusammen?
Waller: Im Konsolidierungsrat werden die zentralen Fragen der Konsolidierung gemeinsam beraten. Präsidium und Fachbereichsleitungen arbeiten dort eng zusammen und bringen ihre jeweiligen Perspektiven ein.
Wie werden Hinweise auf Einsparpotenziale aus der Hochschulöffentlichkeit systematisch aufgenommen und in Entscheidungen überführt?
Klug: Wir arbeiten mit einem klar strukturierten Verfahren: sammeln, bewerten, priorisieren, umsetzen. Mehr als 180 Vorschläge wurden bislang aus der Hochschule eingereicht. Diese gehen nach und nach in die Umsetzung. Wir nehmen auch weiterhin Vorschläge aus der Mitte der Hochschule entgegen. Nutzen Sie dazu gerne auch das FeedbackPLUS!
Wie wird das neue Mittelverteilungsmodell der Hochschule ausgestaltet sein und welche Implikationen ergeben sich daraus für den Konsolidierungsprozess?
Klug: Der Kern des neuen Mittelverteilungsmodells ist ein Perspektivwechsel weg von einer die Hochschule spaltenden Abbildung des Budgets hin zu einer Abbildung des Budgets, die stärker als bisher die Aufgaben und Ziele in den Mittelpunkt stellt. Selbstverständlich bekommen die Einheiten der Hochschule, also die Fachbereiche und Servicebereiche, weiterhin jeweils eigene Budgets zur selbstständigen Bewirtschaftung zur Verfügung gestellt.
Warum schlagen wir der Hochschule diese Weiterentwicklung des internen Mittelverteilungsmodells vor? Statt zu fragen „Welcher Bereich bekommt wie viel Budget?“, fragen wir künftig: Wie viel investieren wir in Lehre? Wie viel in Forschung? Wie viel in Infrastruktur? Wie viel in Digitalisierung?
Das nennt man aufgaben- und zielorientierte Budgetierung. In der Praxis bedeutet das: Wir wollen sichtbar machen, für welche Themen und Aufgaben die Hochschule ihr Geld einsetzt. Wir könnten in Zukunft klarer steuern, was wir stärken wollen, zum Beispiel Lehre oder Forschung. Wir erkennen schneller, wo Mittel fehlen oder ineffizient eingesetzt werden.
Wir sind aktuell in Abstimmung zum neuen Modell, aber mir ist ganz wichtig zu betonen: Die dezentrale Verantwortung zur Bewirtschaftung des Budgets bleibt erhalten. Neu ist, dass die Budgets stärker in ein gesamtstrategisches Bild eingeordnet werden können.
Hochschulrat, Senat und Senatskommission Finanzen werden im Rahmen ihrer Verantwortlichkeiten Stellung dazu nehmen, ob ein solches neues Modell für die Hochschule als gewinnbringend empfunden wird.
Welche Studierendenzahlen möchte die Hochschule in den nächsten Jahren perspektivisch erreichen?
Waller: Die einfache Antwort lautet: Wir wollen die Studierendenzahlen stabil halten. Schrumpfen ist keine Option, weil kleinere Hochschulen systemische Nachteile haben: geringere Sichtbarkeit, geringere Drittmittelchancen, geringere Profilbildungsmöglichkeiten. Das kann nicht im Interesse der Hochschule sein.
Gleichzeitig ist zu starkes Wachstum nicht sinnvoll, da unsere Infrastruktur, insbesondere Labore, Flächen und Betreuungskapazitäten, klare Grenzen hat. Unser Ziel ist daher Stabilität als Grundlage für Qualität und damit Zukunftsfähigkeit.
Wie sichern Sie Studienqualität und Praxisnähe unter enger werdenden Ressourcen, insbesondere in labor- und betreuungsintensiven Studiengängen?
Waller: Ich wiederhole das gerne an dieser Stelle: Wir sichern Studienqualität und Praxisnähe, indem wir Konsolidierung nicht als pauschales Einsparen verstehen, sondern als gezielt gesteuerten Prozess. Wir setzen bewusst auf die enge Zusammenarbeit mit den Fachbereichen und die Arbeit des Konsolidierungsrates, weil dort die fachliche Einschätzung sitzt, was realistisch und verantwortbar ist. Qualitätssicherung heißt für uns: genau prüfen, priorisieren und bewusst entscheiden, wo wir Synergien nutzen und finanzielle Risiken minimieren können.
In welchen Bereichen sehen Sie Einnahmepotenziale und wo sind rechtliche Grenzen?
Waller: Einnahmepotenziale sehe ich realistisch vor allem in drei Handlungsfeldern: Drittmittel aus Forschungs- und Lehrprojekten, Weiterbildung und Fundraising im weiteren Sinne. In diesen Feldern ist mehr möglich.
Unsere Spielräume sind dahingehend begrenzt, dass Hochschulbildung in Deutschland bewusst als öffentliche Aufgabe organisiert ist. Wir können nicht einfach neue Gebühren einführen oder Studieninhalte „verkaufen“. Das ist weder politisch, gesetzlich noch von unserer Seite aus so gewollt.
Wie ist der aktuelle Stand hinsichtlich der Erreichung der Konsolidierungsziele und was sind die nächsten Schritte?
Klug: Die bisher eingereichten Konsolidierungsvorschläge haben bereits ein beträchtliches finanzielles Volumen. Das zeigt, dass die Hochschule bereit ist, gemeinschaftlich und aktiv an der Sicherung der Zukunftsfähigkeit mitzuwirken.
Waller: Dass wir das so klar sagen können, ist nur möglich durch die hohe Bereitschaft der Fachbereiche und der zentralen Serviceeinheiten, sich konstruktiv, engagiert und auch selbstkritisch in den Prozess einzubringen. Das ist ein Ausdruck echter Verantwortung für die Gesamtorganisation.
Wir haben eine solide Grundlage, um gezielt weiterzuarbeiten. Der nächste Schritt ist nun, diese Vorschläge weiter zu priorisieren, ihre Wirkungen zu bewerten und sie schrittweise umzusetzen, weiterhin im Dialog mit den Gremien und der Hochschulöffentlichkeit.