Die Serie „Spitzensportler“ stellt Studierende unserer Hochschule vor, die neben dem Studium viel Zeit in den Sport investieren und dort national wie international Erfolge feiern. Als Partnerhochschule des Spitzensports (in Kooperation mit dem Olympiastützpunkt Hessen und dem allgemeinen deutschen Hochschulsportverband) unterstützt die Hochschule RheinMain diese Studierenden mit einer möglichst flexiblen Studienplanung, nimmt Rücksicht auf Fehlzeiten aufgrund von Wettkämpfen und Meisterschaften und stellt den Sportlerinnen und Sportlern mit Klaus Lindemann und Meike Kaltenbach vom Hochschulsport kompetente Ansprechpartner für alle Fragen der Vereinbarkeit von Studium und Sport zur Seite. Außerdem fungiert in jedem Fachbereich eine Professorin oder ein Professor als Tutor für die Leistungssportler. 

„Dranbleiben“, das ist das Rezept, mit dem Jan Felix Knobel Studium und Spitzensport unter einen Hut bringt. Und dranbleiben, das gilt für beide Bereiche. Der 26-Jährige war schon immer sportbegeistert, startete im Kinderturnen, spielte Tennis und feierte im frühen Teenageralter erste Siege in der Leichtathletik. Heute ist der Architekturstudent erfolgreicher Zehnkämpfer, siegte 2008 bei den U20 Weltmeisterschaften, wurde 2011 Achter bei den Weltmeisterschaften in Südkorea und nahm 2012 sogar an den Olympischen Spielen in London teil. „Am Mehrkampf reizt mich die Vielseitigkeit“, sagt Jan Felix, und erläutert gleich darauf, welch große Rolle das Dranbleiben besonders im Zehnkampf spielt: „Mehrkampf bedeutet, dass man nicht überall gleich gut sein kann. Ich bin momentan einer der stärksten Werfer weltweit, habe aber meine Schwächen beim Laufen. 400m, das ist die Distanz, bei der ich richtig gegen mich selbst kämpfen muss. Erfolgreich kann im Mehrkampf nur sein, wer sich auch von Misserfolgen in einzelnen Disziplinen nicht unterkriegen lässt, sondern eben dranbleibt.“

Und dranbleiben, das gilt auch für das Studium. Die ersten vier Semester hat der Sportler sein Architekturstudium voll durchgezogen, dann stand ihm sein eigener Qualitätsanspruch im Weg. „Ich will Gutes abliefern“, betont Jan Felix. „Ich habe auch einen guten Schnitt, aber weil ich Modelle nicht zwischen Tür und Angel bauen will, habe ich Studienleistungen immer wieder um ein Semester verschoben.“ So brauchte der angehende Architekt nach zwei Jahren acht Semester Zeit für die Inhalte von zwei Semestern. Ein Umstand, der nicht nur an neun Trainingseinheiten pro Woche, Vor- und Nachbereitung, Physiotherapie und Wettkämpfen liegt. „Mein alter Trainer hat dem Studium nicht allzu viel Gewicht beigemessen“, seufzt der Zehnkämpfer. „Ich habe mittlerweile den Verein und den Trainer gewechselt, und damit hat auch das Studium wieder einen höheren Stellenwert bekommen“, beteuert er. Dass er nicht drangeblieben sei am Studium, sei sein großer Fehler gewesen: „Dadurch, dass ich die Semester wechselte, habe ich den Anschluss an die Kommilitonen verloren. Plötzlich kannte ich niemanden mehr, der mal für mich mitschreibt, meine Situation kennt und mich mitzieht.“ Von Seiten der Professoren sei er aber immer auf Verständnis gestoßen, habe sich optimal betreut und verstanden gefühlt. 

Im vergangenen Jahr hat Jan Felix an keinerlei Wettkämpfen teilgenommen, sich im neuen Verein mit dem neuen Trainer eingelebt und sich wieder mehr auf das Studium konzentriert. Nun ist es soweit: im nächsten Semester kann er eventuell mit seiner Bachelorarbeit beginnen, und sportlich hat er die Olympischen Spiele in Rio de Janeiro 2016 fest im Blick.