Interview - Freiwilligentag Wiesbaden

Stärken und Schwächen ausloten - und daran wachsen

Felicitas Schlepper, 24, studiert Business Administration im Fachbereich Wirtschaft. Als das Studienzentrum das Projekt „Freiwilligentag“ ankündigte, war sie eine der Ersten, die sich beteiligten.

Frau Schlepper, wie haben Sie vom Projekt Freiwilligentag erfahren? Und konnten Sie sich von Anfang an etwas darunter vorstellen?
Ich habe durch den Newsletter meines Fachbereichs das erste Mal vom Freiwilligentag gehört und bin dann durch eine E-Mail des Studienzentrums neugierig geworden. Da wurde zur Informationsveranstaltung eingeladen. Aufgrund der detaillierten E-Mail des Studienzentrums mit Verweis auf einen Artikel im Wiesbadener Tagblatt und der Projektbeschreibung auf der Homepage konnte ich mir sehr gut vorstellen, wie das Projekt angedacht ist.

Was ist der Freiwilligentag?
Am Freiwilligentag werden Bürger der Stadt Wiesbaden und Umgebung dazu aufgerufen, sich einen Tag lang ehrenamtlich in verschiedenen gemeinnützigen Projekten zu engagieren, ohne sich weiter an eine soziale Einrichtung binden zu müssen. Ziel ist es, auf das Ehrenamt und vor allem auch auf das Freiwilligenzentrum Wiesbaden aufmerksam zu machen. In diesem Jahr haben erstmals Studierende unserer Hochschule das Freiwilligenzentrum bei der Organisation unterstützt.

Wie ging es nach der ersten Informationsveranstaltung weiter?
Nach der Informationsveranstaltung habe ich mich mit meiner Unterschrift offiziell zu dem Projekt angemeldet. Dann folgte der Kick-Off für all diejenigen, die sich fürs Mitmachen entschieden haben - die Einführungswoche zu unserem Projekt. In der Einführungswoche haben wir mithilfe von Coachs das Projekt in Teilprojekte zerlegt und Aufgabenpakete erarbeitet. Außerdem wurden wir zur Akquise von Sponsoren und zur Öffentlichkeitsarbeit geschult – zwei sehr spannende Teilprojekte, die in diesen Details in meinem Studium nicht  behandelt werden. Um die vielen Aufgaben unter uns aufzuteilen, haben wir Teams zu den Teilprojekten Gestaltung Corporate Identity, Akquise von Sponsoren und Budget, Akquise und Kontakt soziale Einrichtungen, Organisation des Abschlussabends, Öffentlichkeitsarbeit sowie Gewinnung von Freiwilligen gebildet. In jedem Team wurde ein „Projektleiter“ bestimmt, der für das Teilprojektteam und die Erledigung der anstehenden Aufgaben verantwortlich war. Und dann ging es auch schon los... Die verschiedenen Teilprojektteams begannen mit dem Abarbeiten ihrer To-Do-Listen.


Und welche Rolle haben Sie übernommen?
Ich war den Teams Corporate Identity und Organisation des Tages bzw. Abschlussabends zugeteilt. Wobei ich aufgrund meiner Erfahrungen als ausgebildete Veranstaltungskauffrau auch andere Gruppen unterstützt habe. So konnte ich zum Beispiel aufgrund von Kontakten einige Sponsoren gewinnen. Wichtig war mir auch der Überblick über das gesamte Projekt, weshalb ich mich auch immer wieder sehr stark bei den regelmäßig stattfindenden Gesamtteamtreffen eingebracht habe.

Was haben Sie für sich aus der Teilnahme an dem Projekt mitgenommen? Was lief gut, was weniger gut?
Obwohl ich als Eventmanagerin schon einige große Veranstaltungen organisiert habe, war das Projekt etwas ganz Besonderes. Warum? Die Studierenden waren vollkommen auf sich alleine gestellt, es gab keinen „Chef“, der die Richtung vorgegeben hat. Dadurch kam es natürlich auch zu Konflikten, die bei Teamarbeit unausweichlich sind, aus denen ich aber wiederum für mich selbst sehr viel gelernt habe. Außerdem haben wir tolle Menschen kennengelernt - das Team, die Sponsoren und Kooperationspartner, aber auch die Mitarbeiter der sozialen Einrichtungen. Das Projekt hat uns aber auch Selbstvertrauen gegeben. Am Anfang hat es sehr viel Überwindung gekostet, ein Unternehmen anzurufen, um es als potenziellen Sponsor zu gewinnen, mittlerweile ist das kein Problem mehr. Natürlich ist es auch toll, solch ein Projekt, das Projektmanagement mit sozialem Engagement verbindet, in den Lebenslauf schreiben zu können. Ich habe sehr viel positives Feedback erhalten. Für den nächsten Freiwilligentag hat sich das Team aber einstimmig dafür ausgesprochen, dass es eine Projektleitung geben muss, die das Team führt, ohne dabei die Projektteilnehmer einzuschränken. Der Freiwilligentag 2009 war auf jeden Fall ein Riesenerfolg - für mich persönlich, für das Team und alle Beteiligten.

Nach dem Erfolg des Freiwilligentages 2009 wird das Studienzentrum nun auch für den kommenden Freiwilligentag mit dem Freiwilligenzentrum Wiesbaden e.V. zusammenarbeiten. Warum würden Sie anderen empfehlen, sich an der Organisation des nächsten Freiwilligentages zu beteiligen?
Mit der Organisation des Freiwilligentags werden alle relevanten Skills Teamfähigkeit, Ganzheitliches Denken, Konfliktmanagement, Kommunikationsfähigkeit, Organisationsfähigkeit, soziale Kompetenz) sehr stark gefördert bzw. trainiert. Durch die Übernahme der Verantwortung für das Projekt wird man auf das Berufsleben vorbereitet – ein perfektes Training für den späteren Arbeitsalltag. Ihr arbeitet während des Projekts ständig mit den relevanten Tools des Projektmanagements, wodurch sich diese in Euren Gehirnen manifestieren werden ohne dass ihr einen Satz auswendig lernen müsst. Die Verbindung von sozialem Engagement und Projektmanagement ist sehr spannend – es gibt so viel Neues zu entdecken.

Außerdem kommt dieBeteiligung an einem solchen Projekt natürlich gut an - Arbeitgeber fordern von ihren Mitarbeitern soziales Engagement. Ihr trefft tolle Menschen und erweitert damit euer Netzwerk. Ihr könnt beweisen was ihr alles in eurem Studium gelernt habt und durch was ihr euch auszeichnet. Ihr werdet Eure Stärken, Schwächen und Grenzen erfahren. Im Großen und Ganzen: Ihr werdet einfach Spaß haben.

Aus welchen Studiengängen und Fachbereichen werden noch Leute gesucht?
Es kommt nicht auf den Fachbereich an – wir suchen engagierte Studenten und Studentinnen aus allen Studiengängen. Wichtig sind Motivation und Verantwortungsbewusstsein, damit kann so ziemlich jede Aufgabenstellung gelöst werden.

Und werden auch Sie wieder dabei sein?
Sehr gerne wäre ich wieder dabei! Da ich aber mein berufspraktisches Semester in Hamburg absolviere, ist mir das leider nicht möglich. Ich stehe aber für Fragen sehr gerne zur Verfügung.

An wen können sich Interessierte wenden, wenn sie nähere Informationen benötigen?
Nähere Informationen gibt es einmal auf der Internetseite des Studienzentrums, aber auch auf der Homepage des Freiwilligentags 2009. Außerdem steht Frau Klinger (E-Mail: Doris.Klinger(at)remove-this.hs-rm.de), die Projektmama, für Fragen immer gerne zur Verfügung.