5 Jahre Feedbackmanagement

Herzlichen Glückwunsch, Frau Kandler! 5 Jahre Feedbackmanagement – hat Ihnen denn jemand eine Torte gebacken?
Nein, das nicht. Aber wir haben schon ein bisschen Geburtstag gefeiert, wenn auch nur gedanklich. So wie man sich beim 5. Geburtstag eines Kindes vielleicht an den Tag der Geburt erinnert, haben wir nochmal rekapituliert, wie das Feedbackmanagement entstanden ist.

War es eine schwere Geburt?
Schwer würde ich nicht sagen. Aber eine langwierige. Als die Hochschule RheinMain das Feedbackmanagement eingeführt hat, waren Beschwerdesysteme im Hessischen Hochschulgesetz noch nicht vorgeschrieben. Wir waren unserer Zeit voraus – und hatten Zeit, das Baby wachsen zu lassen. Anders als in Situationen, in der in einer Hau ruck-Aktion eine Gesetzesvorgabe umgesetzt werden muss, konnte der erste Feedbackmanager unserer Hochschule, Alexander Kallenberg, das Projekt mit ganz viel Ruhe angehen. In einem partizipativen Prozess wurden die Fachbereiche und die Verwaltung, das Präsidium, der Personalrat und die Studierenden mit einbezogen. Herrn Kallenberg war wichtig, dass Sorgen und Ängste im Vorfeld abgebaut werden können, so dass das Feedbackmanagement dann mit breiter Akzeptanz starten konnte.

Welchen Charakter hat das Kind? Ist es ein Dickkopf?
Ja, das kann man so sagen. Das Feedbackmanagement fungiert ja nicht nur als Clearingstelle, wenn die Studierenden mit ihren Anliegen nicht wissen, an wen sie sich wenden sollen. Es fungiert auch als Mittler, wenn jemand nicht persönlich in Erscheinung treten will, und als Mediator, wenn Probleme bereits angesprochen wurden, der oder die Studierende sich aber missverstanden oder falsch behandelt fühlt. Da brauche ich als Feedbackmanagerin schon einen gewissen Dickkopf, um an der Sache dranzubleiben. Auch wenn mir der Begriff „Durchhaltevermögen“ besser gefällt, denn es geht ja nicht darum, meinen Dickkopf durchzusetzen, sondern darum, Transparenz zu schaffen oder einen Kompromiss herzuführen oder vielleicht eine Veränderung anzustoßen. Das ist in jedem Fall anders gelagert.

Anders als an anderen Hochschulen hat das Feedbackmanagement bei uns außerdem keinen rein negativen Charakter. Wir sprechen ganz bewusst nicht von einer Beschwerdestelle, sondern sind genauso offen für Ideen, Fragen und selbstverständlich auch Lob.

Wie hat sich das Feedback-Baby in den letzten fünf Jahren entwickelt?
Aus dem Baby ist eine richtige Persönlichkeit geworden, die die gesamte Hochschulfamilie voranbringt. Auf der einen Seite dient das Feedbackmanagement der individuellen Soforthilfe, indem die Rückmeldungen der Studierenden Einzelfall für Einzelfall bearbeitet werden. Gleichzeitig kann uns aber auch jedes Feedback Aufschluss darüber geben, wo es strukturell vielleicht nicht so gut läuft. Aus einer Feedbackhäufung oder einem Einzelfall, der plötzlich ein komplexes Problem aufdeckt, können wir Anregungen zur Verbesserung der generellen Qualität in Studium und Lehre auf der strukturellen Ebene ziehen. Um diesem Anspruch gerecht zu werden, wurde ein Verzahnungskonzept zwischen Qualitätsmanagement und Feedbackmanagement entwickelt. So kann jedes Feedback zur Weiterentwicklung beitragen und ist Teil der Qualitätssicherungskultur an der Hochschule RheinMain.

Sind Sie alleinerziehend? Oder haben Sie Hilfe?
Feedbackmanagement bedeutet Netzwerken, das ist ganz klar. Auch wenn es allein in meiner Verantwortung liegt, die Feedbackfälle zu bearbeiten, tue ich dies natürlich in Zusammenarbeit mit den Fachbereichen und den verschiedenen Abteilungen und Zentralen Einheiten der Hochschule. Außerdem ist es wichtig, eng mit den Studierenden im Kontakt zu sein, auch über die einzelnen Feedback Gebenden hinaus. Unser Feedbackmanagement hat einen studentischen Beirat, ich treffe mich regelmäßig mit dem AStA und den Fachschaften.

Und dann kann ich auch immer nochmal zur „Erziehungsberatung“ gehen. ;-) Als Feedbackmanagerin der Hochschule RheinMain bin ich Mitglied im bundesweiten „Netzwerk des Beschwerde- und Verbesserungsmanagements und des Ombudswesen in Studium und Lehre an deutschen Hochschulen“, kurz BeVeOm. Dieses Netzwerk hat zum einen ein gemeinsames Selbstverständnis entwickelt, das auf den Prämissen der Unabhängigkeit, Vertraulichkeit, Neutralität/Allparteilichkeit und Wertschätzung beruht. Zum anderen kann ich mich dort mit anderen Feedbackmanagerinnen und -managern austauschen, die natürlich ganz ähnliche Thematiken bearbeiten.

Vielen Dank, Frau Kandler, für das Gespräch! Wir wünschen alles, alles Gute für die nächsten fünf Jahre!