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Smart City – Wie wollen wir leben?

v.l.n.r. Prof. Dr. Th. Heimer, Prof. Dr. Ch. Etezadzadeh, Dr. G. Uerz, Prof. M. Humann und P. Boberg

v.l.n.r. Prof. Dr. Th. Heimer, Prof. Dr. Ch. Etezadzadeh, Dr. G. Uerz, Prof. M. Humann und P. Boberg © Lisa Mohr

Prof. Melanie Humann

Prof. Melanie Humann © Lisa Mohr

In der sechsten Veranstaltung "Dialog im Museum" von IMPACT RheinMain in Kooperation mit dem Deutschen Architekturmuseum in Frankfurt und HR Info wurden Smart City-Konzepte sowie die Zukunft digitalisierter Städte diskutiert.

Frau Prof. Melanie Humann (TU Dresden) stellte in ihrem einführenden Überblick zu Smart City-Konzepten drei Hypothesen auf, die vom singulären "Intelligent Operation Centre" über die These "die Smart City sei ein Markt auf dem Technologiekonzerne ihre Dienste und Produkte verkaufen können" bis hin zum Bottom-up- Ansatz, der auch Empowerment mitdenkt, reichen. Sie betonte, dass Smart City kein Leitbild per se sei, sondern Digitalisierung vielmehr von den BürgerInnen definierte Ziele, offene Strukturen und Dialogformate braucht.

In der folgenden von Petra Boberg (hr-iNFO) moderierten Podiumsdiskussion wurden die weiteren Podiumsteilnehmer zunächst eingeladen, ihre Smart City – Definitionen und wichtigsten Aspekte zu erläutern: Frau Prof. h. c. Dr. Chirine Etezadzadeh unterstrich, dass die Städte und Kommunen eigene Haltungen zu dem Thema entwickeln sollten, und dass kommunale Akteure anders als Unternehmen in hinreichendem Maße an die Konsequenzen denken. Dabei müssen technologische Lösungen individualisiert an die unterschiedlichen lokalen Gegebenheiten und Bedarfe von verschiedenen Städten angepasst sein. Dr. Gereon Uerz (Arup Deutschland) sieht für die menschenfreundliche Ausgestaltung von Smart Cities nachgelagert den dringenden Bedarf sich mit der Technikentwicklung intensiver auseinanderzusetzen und die Gefahr, dass Bequemlichkeit auch im Falle von autonomen Fahren nicht zu einer Verringerung des Verkehrs führt. Er betonte, dass Digitalisierung sich dem Gemeinwohl und den Interessen der Bürger unterordnen muss. Prof. Dr. Thomas Heimer (Hochschule RheinMain) hob hervor, dass Technik nie alternativlos sei und die Technik von Morgen mit den zukünftigen Nutzern gemeinsam gestaltet werden müsste. An den Hochschulen werden die Ingenieure von morgen bereits für die neuen Anforderungen ausgebildet und soziale Fragestellungen in die Lehre miteinbezogen.

Die Diskussion mit dem Auditorium wurde im Format einer Fishbowl-Diskussion geführt. Es gab u.a. Kritik an der 5G-Technologie und ihren potentiellen Risiken, Bedenken an der Zunahme von Elektrosmog, aber auch die These, dass wir uns aktuell im "digitalen Mittelalter" befinden und Überlegungen, wie Smart City-Konzepte die Zivilgesellschaft und ihre Prozesse verbessern können sowie den Wunsch die Smart City-Diskussion auf konkrete Maßnahmen herunterzubrechen. Nach Prof. Humanns Meinung ist das Stadtentwicklungskonzept von Frankfurt auf dem richtigen Weg. Darin ist Digitalisierung nicht erwähnt, da es ein Hilfsmittel und kein Ziel ist. Zusammenfassend wurde festgehalten, dass Wissenschaft, Unternehmen und Bürger miteinbezogen werden müssen, die Steuerung sollte jedoch bei den Kommunen bleiben, denn auch Städte brauchen das Recht auf informationelle Selbstbestimmung.