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Prof. Dr. Johann Welsch - Hans-Böckler-Stiftung

Prof. Dr. Johann WelschProf. Dr. Johann Welsch fungiert an der Hochschule RheinMain als Vertrauensdozent für die Hans-Böckler-Stiftung, das Mitbestimmungs-, Forschungs- und Studienförderungswerk des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB). In dieser Funktion wirkt der Professor für Volkswirtschaftslehre an der Auswahl der Stipendiatinnen und Stipendiaten mit – unter anderem, indem er Gutachten schreibt. Der Vertrauensdozent ist aber auch Ansprechpartner für die Stipendiatinnen und Stipendiaten vor Ort; er berät sie hinsichtlich ihres Studiums, einer möglichen Promotion oder persönlicher Angelegenheiten. Wer Interesse an einem Stipendium der Hans-Böckler-Stiftung hat, kann sich von Prof. Dr. Welsch beraten lassen. Der Vertrauensdozent ist am besten per Mail unter johann.welsch[at]hs-rm[.]de zu erreichen. Wer direkt mit der Hans-Böckler-Stiftung Kontakt aufnehmen will, wendet sich an Jessica Basile. Sie ist die Ansprechpartnerin für das Studium an Fachhochschulen: jessica-basile[at]boeckler[.]de oder 0211/7778255.

Prof. Dr. Welsch, wie sieht ein Stipendium der Hans-Böckler-Stiftung aus?
Der finanzielle Zuschuss, das Stipendium, beträgt bis zu 597 Euro im Monat. Ergänzt wird es durch ein Büchergeld von 150 Euro. Beides erhalten die Stipendiaten und Stipendiatinnen auch in den vorlesungsfreien Zeiten. Ein Stipendium muss nicht zurückgezahlt werden. Unter bestimmten Voraussetzungen gewährt die Stiftung auch einen Zuschuss zur Krankenversicherung bis 62 Euro und zur Pflegeversicherung bis 9 Euro im Monat. Lebt im Haushalt ein Kind, für das Personensorgerecht besteht, wird ein Familienzuschlag in Höhe von 155 Euro gewährt. Unabhängig davon kann eine Kinderbetreuungspauschale in Höhe von 113 Euro für das erste und 85 Euro für jedes weitere Kind gewährt werden, das im Haushalt lebt und das 10. Lebensjahr noch nicht vollendet hat. Für das Kind muss Personensorgerecht bestehen.

Neben der materiellen Förderung spielt die ideelle Förderung eine wichtige Rolle. Ein umfangreiches studienbegleitendes Programm soll die Stipendiatinnen und Stipendiaten der Stiftung anregen, über den Tellerrand ihres Fachstudiums zu blicken und sich an wissenschaftlichen und gesellschaftspolitischen Diskursen zu beteiligen. Die eigene Entwicklung und die eigenen Ziele sollen reflektiert werden – als Vorbereitung auf eine qualifizierte und von sozialer Verantwortung geprägte Berufstätigkeit. Pro Jahr bietet die Stiftung rund 100 Seminare, Workshops und Tagungen an, manche zentral, viele auf regionaler Ebene.

Und wer hat eine reelle Chance auf ein Stipendium?
Die Hans-Böckler-Stiftung als eines der großen Begabtenförderungswerke in Deutschland fördert begabte und engagierte Studierende und Promovierende, vorrangig junge Menschen mit Berufserfahrung und Kinder von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern. Darüber hinaus auch junge Erwachsene, die nicht auf dem direkten schulischen Weg eine Studienberechtigung erwerben konnten und diese auf dem Zweiten Bildungsweg nachholen. Mit der „Böckler-Aktion Bildung“, einem mehrjährigen Modellversuch, hat die Stiftung ab 2007 junge Menschen aus ärmeren Familien zu einem Studium ermutigt. Als Stiftung des Deutschen Gewerkschaftsbundes ist die Hans-Böckler-Stiftung der Idee der sozialen Öffnung des Hochschulzugangs verpflichtet. Das ist ihr unverwechselbares Profil als gewerkschaftliches Begabtenförderungswerk. Die Bedeutung dieser Art von Studienförderung ist in den letzten  beiden Jahrzehnten gewachsen, denn es ist unübersehbar, dass das deutsche Bildungswesen derzeit nicht in der Lage ist, Chancengerechtigkeit zu verwirklichen und Begabungsreserven auszuschöpfen. Der Zugang zum Hochschulstudium ist auch heute noch sehr stark von der sozialen Herkunft des Einzelnen abhängig. Ein besonderes „Markenzeichen“ der Hans-Böckler-Stiftung ist die Förderung des „Zweiten Bildungsweges“. Dies ist die zweite Chance, einen höheren allgemein bildenden Schulabschluss am Abendgymnasium, auf einer Berufsoberschule oder an einem Kolleg zu erreichen.

Die Hans-Böckler-Stiftung unterstützt zusammenfassend folgende Personengruppen:

  • begabte Studierende mit gewerkschaftlichem oder gesellschaftspolitischem Engagement
  • Abiturientinnen und Abiturienten aus bildungsbenachteiligten Gruppen, die sich aktiv an der Gestaltung unserer Gesellschaft beteiligen wollen
  • engagierte Studierende auf dem Zweiten Bildungsweg sowie
  • über die Promotionsförderung den wissenschaftlichen Nachwuchs.

Wichtige Kriterien sind also das gewerkschaftliche oder gesellschaftspolitische Engagement der Bewerber?
Ja. Gute Leistungen und gewerkschaftliches oder gesellschaftspolitisches Engagement - diesen beiden Kriterien räumt die Hans-Böckler-Stiftung Vorrang ein, wenn es an die Auswahl der künftigen Stipendiatinnen und Stipendiaten geht. Weitere Kriterien sind: Berufs- und Bildungsweg vor dem Studium, bisheriger Studienverlauf, Semesterzahl und Studienleistungen, Berufsziel und Berufsperspektiven sowie die soziale und wirtschaftliche Lage.

Wie läuft der Bewerbungsprozess ab?
Die Form des Bewerbungsprozesses hängt von bestimmten Voraussetzungen ab:

  • für Gewerkschaftsmitglieder gibt es das so genannte „Gewerkschaftliche Bewerbungsverfahren“: Diese Studierenden werden von ihren Gewerkschaften vorgeschlagen.
  • Für junge Menschen, die gesellschaftspolitisch engagiert, aber (noch) nicht in der Gewerkschaft sind, gibt es ein ergänzendes Bewerbungsverfahren. Gesellschaftspolitisches Engagement kann sehr unterschiedlich aussehen: in Verbänden, Initiativen, Jugendorganisationen, Parteien, Kirchen oder in den Hochschulen. Üblicherweise nimmt die Bewerberin oder der Bewerber per E-mail mit der örtlichen Stipendiatengruppe Kontakt auf, zweckmäßiger Weise mit einem aussagekräftigen Lebenslauf und mit dem Bewerbungsbogen, und bittet um ein Gespräch. Die Stipendiatengruppe prüft die Bewerbung, lädt zu einem Gespräch ein und votiert danach für oder gegen eine Förderung. Ist ihr Votum positiv, entscheidet ein stipendiatischer Ausschuss über die Weiterleitung des Antrags an die Stiftung. Vorschlagsberechtigt sind auch Vertrauensdozentinnen und Vertrauensdozenten der Stiftung. Sie schlagen in der Regel Studierende vor, die sie aus ihren Lehrveranstaltungen kennen.
  • Auch für die „Böckler-Aktion Bildung“ gibt es eigene Regeln der Bewerbung. Angesprochen sind begabte junge Menschen, die aufgrund ihrer sozialen Herkunft deutlich weniger Chancen haben als Schülerinnen und Schüler von Eltern mit höherem Sozialprestige und höherem Einkommen. Im Rahmen der Aktion bewerben sich Interessierte direkt bei der Stiftung. Sie schicken den Bewerbungsbogen mit Anlagen in doppelter Ausfertigung an die Hans-Böckler- Stiftung, Referat Bewerberauswahl, Hans-Böckler-Str. 39, 40476 Düsseldorf.
  • Studierende des „Zweiten Bildungsweges“ bewerben sich – je nach eigener Einordnung - über eines dieser drei Verfahren.

Warum würden Sie Studierenden raten, sich um ein Stipendium zu bewerben – vom finanziellen Aspekt einmal abgesehen?
Die Zugehörigkeit zu einer Stipendiatengruppe der Hans-Böckler-Stiftung ermöglicht die Entfaltung eines vielfältigen Engagements (Organisation thematischer Veranstaltungen, von Vorträgen, von Exkursionen, von gemeinsamen Events etc.). Über die ideelle Förderung (Seminare, Workshops, Tagungen) besteht die Möglichkeit des „social networking“, d.h. des Kennenlernens interessanter Personen, welche einem im späteren Berufsleben behilflich sein könnten.

Auch im Bewerbungsverfahren auf eine Stelle im späteren Beruf ist es von Vorteil, Stipendiatin oder Stipendiat gewesen zu sein. Ein Stipendium zeigt, dass jemand besonderen Anforderungen und Leistungsniveaus genügt hat, um als Stipendiat ausgewählt zu werden.