Antonio Valentino Antenucci war während seines Studiums in Geisenheim gleich mehrfach im Ausland. Im August 2009 absolvierte der heute 26-Jährige ein Praktikum in zwei unterschiedlichen Weingütern in den italienischen Abruzzen. Direkt im Anschluss daran ging er für ein Jahr ins Friaul und verbrachte dort zwei Erasmus-Semester an der Universita degli Studi di Udine. Bevor es zurück in den Rheingau ging, zog es Antonio Valentino noch für ein Praktikum nach Frankreich. Warum diese ausgedehnten Auslandsaufenthalte? Darauf hat der Weinbau- und Oenologie-Student eine einfache Antwort: „Ich bin der Meinung, dass ein guter Weinbauer im Laufe seiner Ausbildung in den wichtigsten Weinbauländern Erfahrung sammeln und sich nicht nur auf das Land beschränken sollte, in dem er studiert. Mir war es wichtig, über den Tellerrand hinaus zu schauen, neue Kulturen kennenzulernen, andere Lebenseinstellungen zu sehen.“ Dass ein so ausgedehntes Auslandsstudium seine Studienzeit etwas verlängern würde, war Antonio Valentino von Anfang an klar. Das konnte ihn nicht abhalten. Neben den wertvollen Erfahrungen, die Antonio Valentino im Ausland sammeln konnte, war es für ihn auch reizvoll, für eine Weile in der Heimat leben zu können: „Ich bin gebürtiger Italiener. Zwar lebe ich schon seit fast 20 Jahren in Deutschland, aber ich besuche meine Familie in Italien jedes Jahr.“ Als i-Tüpfelchen winkte ihm dann auch noch ein deutsch-italienischer Doppelabschluss – der Fachbereich Geisenheim und die Partneruniversität in Udine haben ein entsprechendes Abkommen miteinander.
Bei der Organisation seines Auslandsaufenthaltes wurde Antonio Valentino vom Büro für Internationales der Hochschule RheinMain unterstützt. „Mir wurde immer genau gesagt, welche Unterlagen ich als nächstes ausfüllen muss, und das Büro für Internationales hat dann dafür gesorgt, dass alle Formulare in Italien an der richtigen Stelle gelandet sind. Die Organisation und Kommunikation zwischen den beiden Hochschulen lief völlig problemlos.“ Das Einzige, um das sich der Austauschstudent intensiv eigene Gedanken machen musste, waren die Vorlesungen, die er besuchen wollte. „Hier würde ich jedem empfehlen, sich bereits im Vorfeld intensiv mit der Anerkennung einzelner Kurse zu beschäftigen“, gibt er als Tipp für folgende Generationen von Austauschstudierenden.
Finanziert hat Antonio Valentino seine Auslandsaufenthalte unter anderem über eine Unterstützung durch das Erasmus-Programm der Europäischen Union. Dass das für Studienaufenthalte möglich ist, war ihm bereits klar gewesen. Dass die Europäische Union mit dem Programm Erasmus Placement aber auch Praktika unterstützt, hat ihn positiv überrascht. „Das Bewerben für ein Stipendium ist nicht schwer“, berichtet Antonio Valentino. Das Büro für Internationales habe ihn unterstützt, „und in dem Motivationsschreiben muss man einfach unkompliziert erklären, warum man ins Ausland möchte.“ Zusätzlich zu den Erasmus-Geldern erhielt Antonio Valentino auch im Ausland weiterhin BAföG.
Erzählen Sie uns von Ihrem ersten Tag im Praktikum in Frankreich, Herr Antenucci.
„Der erste Tag im Praktikumsbetrieb war ein Abenteuer. Ich konnte leider kein einziges Wort Französisch, die Kommunikation funktionierte zu Beginn nur mit Händen und Füssen. Mich nahm auch niemand an die Hand – ich musste mich ganz allein zurechtfinden. Im Nachhinein finde ich das aber gar nicht so schlecht, dass ich selbst auf ‚Entdeckungsreise’ gehen musste. Mit der Zeit wurde ich der Sprache auch mächtig und das Austauschen mit Kollegen und Menschen auf der Straße wurde wesentlich leichter. Ganz anders ging es mir an der Uni in Udine. Ich wurde offiziell vorgestellt und habe mich dank meiner guten Italienischkenntnisse ruckzuck eingelebt.“
Wodurch unterschied sich das Studium in Udine von dem in Geisenheim – abgesehen von der Unterrichtssprache natürlich?
„In Udine waren wir wesentlich weniger Studierende als in Geisenheim. Wir waren etwas kleiner als eine normale Schulklasse, so hat sich ein sehr familiäres Verhältnis zu den Dozenten und zu den Kommilitonen entwickelt. Was mir besonders gut gefallen hat, waren die vielen Exkursionen, die wir im Rahmen der Vorlesungen gemacht haben. Wir haben Betriebe und Weingüter besichtigt, und zu den Vorlesungen wurden immer wieder Betriebsleiter und Verantwortliche von Unternehmen eingeladen, denen wir Fragen stellen konnten. Der Zusammenhang zwischen Theorie und Praxis ist hier wirklich sehr gut gelungen.“
Wie wurden Sie außerhalb der Universität von den Menschen in Ihrem Gastland aufgenommen?
„Das Interesse an mir war sehr groß. Eine der häufigsten Fragen war, wie es sich in Deutschland lebt. Deutschland hat in Italien einen sehr guten Ruf. Die Leute schätzen die deutsche Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit. Manch einer war genervt von meiner ‚Millimeter-Flickerei’, aber auch dafür ist Deutschland bekannt. Vielleicht ist gerade das auch einer der Gründe, dass es hier im Land immer nach vorne geht.“
Was hat Sie an der fremden Kultur am meisten fasziniert?
"Die regionale Sprache! Ich bin Italiener, und in Italien zu sein und trotzdem die Sprache nicht zu verstehen, war einfach merkwürdig. Im Friaul spricht man ‚Friulanisch’; das ist dort als regionale Behörden- und Schulsprache anerkannt. Die Sprache hat mit dem Italienischen nichts gemeinsam. Dazu kam noch die ganze Kulturvielfalt an der Uni, das war einfach toll!“
Würden Sie den gleichen Auslandsaufenthalt wieder wählen?
Ich würde DEFINITIV wieder Italien und Frankreich wählen. Vor meinem Frankreichaufenthalt habe ich nicht wirklich viel von Frankreich gehalten, aber der direkte Kontakt mit den Menschen und vor allem das Arbeiten mit ihnen haben mich eines Besseren belehrt.
Auch das Studium in Italien hat mich sehr geprägt. Es war einfach interessant zu sehen, wie man in Italien mit dem Wein umgeht. Italien ist der weltgrößte Weinproduzent geworden und spielt eine immense Rolle in der Weinwelt.
Ich merke, dass ich seit meinem Erasmus-Jahr weltoffener geworden bin. Ich reise seither viel mehr, und das Interesse an anderen Ländern und Kulturen ist größer geworden. Im Auslandstudium und -praktikum habe ich viele Kontakte geknüpft. Einer dieser Kontakte ermöglicht es mir nun, direkt nach meinem Studium im Ausland zu arbeiten.
Sie wollen auch für ein Studien- oder Praxissemester ins Ausland? Informieren Sie sich auf den Seiten des Büros für Internationales:
www.hs-rm.de/international
