Andreas Oldenburg war Teilnehmer einer Summer School im russischen Novosibirsk. Im Juli und August 2011 bildete der Student des Internationalen Wirtschaftsingenieurwesens sich in Sibirien nicht nur fachlich weiter, sondern er lernte auch eine völlig fremde Kultur kennen. Am meisten fasziniert hat ihn an dieser der Umgang mit technischen Problemen. „Ein russischer Mensch ist für mich jetzt immer ein sehr praktisch veranlagter Mensch“, berichtet der 22-Jährige schmunzelnd. „Als wir mit dem Bus ins Altai-Gebirge fuhren, hatten wir eine Panne. In Deutschland hätte der Busfahrer einen Pannendienst gerufen, und man hätte ewig warten müssen – Ausgang ungewiss. In Russland flickte unser Busfahrer innerhalb einer halben Stunde die defekte Benzinleitung, und wir konnten weiterfahren.“
Sein Interesse an Auslandsaufenthalten und fremden Kulturen brachte Andreas schon zu Beginn des Studiums mit. Als eine Stelle als studentische Hilfskraft im Büro für Internationales am Rüsselsheimer Studienort der Hochschule RheinMain ausgeschrieben wurde, bewarb er sich daher sofort – und bekam den Job. Dass es ihn im Rahmen seines Studiums aber nach Sibirien verschlagen würde, damit hatte er nicht gerechnet. Beziehungen zu Russland hatte Andreas nicht, nur ein rein privates Interesse an der kyrillischen Schrift. Seine Neugier weckten dann sowohl der Besuch einer Vertreterin der Partnerhochschule in Novosibirsk als auch die Erzählungen früherer Teilnehmerinnen und Teilnehmer an der Summer School: „Der Reiz, einmal etwas völlig anderes zu machen, einen Einblick in eine russische Hochschule zu bekommen und die eigenen Vorurteile Russland gegenüber zu überprüfen, waren Gründe genug für mich, an der Summer School teilzunehmen“, beschreibt Andreas seine Motivation. Gerade die Tipps der Kommilitoninnen und Kommilitonen, die schon ein Jahr zuvor in Novosibirsk und dem Altai-Gebirge gewesen waren, erwiesen sich letztendlich als Gold wert: „Ohne Klopapier, Mückenspray, feste Schuhe und vieles mehr, das sie uns empfohlen hatten, hätten wir im Altai-Sportscamp alt ausgesehen!“
Als Mitarbeiter im Büro für Internationales erlebte Andreas die Vorbereitungen zur Summer School hautnah mit. Damit nicht nur finanziell bessergestellte Studierende an der Reise teilnehmen können, förderte der Studienbereich Maschinenbau jeden Teilnehmer vom Rüsselsheimer Fachbereich Ingenieurwissenschaften mit 650 Euro. Wer mitfahren wollte, musste sich beim Büro für Internationales bewerben und verschiedene Kriterien erfüllen. So mussten die Teilnehmer beispielsweise bereits im Vorfeld an einem Russischkurs teilnehmen, der am Rüsselsheimer Campus angeboten wurde. Für Silke Schuster vom Büro für Internationales und ihren Counterpart in Novosibirsk gab es eine Menge Papierkram zu erledigen: Zuerst musste die russische Partnerhochschule die Studierenden aus Deutschland ganz offiziell einladen. Mit dieser Einladung konnten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Summer School dann ein vergünstigtes Bildungs-Visum beantragen.
Im Juli war es dann endlich soweit: nach einer 15-stündigen Reise über Moskau kamen die deutschen Studierenden in Novosibirsk an, wo sie von einer Handvoll russische Kommilitonen mit einem Bus der Novosibirsk State Technical University abgeholt wurden. Die Unterkunft in einem Studentenwohnheim für Doktoranden ließ nichts zu wünschen übrig, aber zum Ausruhen blieb keine Zeit: nach einem gemeinsamen Mittagessen mit Studierenden der Universität und dem Dekan bekamen die Deutschen den Campus gezeigt. Mit einem gemeinsamen Besuch im Supermarkt und einem ersten Einkauf ging die Einführung in die neue Umgebung weiter. Die Gastfreundschaft der russischen Studierenden endete nicht bei der Einkaufs-Hilfe – fast täglich traf man sich in den kommenden Wochen auch nach dem Unterricht und ging gemeinsam aus. „Der enge Kontakt half natürlich auch enorm beim Russischlernen“, freut sich Andreas.
Ein weiteres Highlight der Zeit in Russland war eine mehrtägige Exkursion ins Altai-Gebirge. Hier lebten die Studierenden in einem Holzhaus ohne Dusche; dafür gingen sie jeden Tag in die sogenannte Banja, die russische Sauna. Wäsche waschen und Zähne putzen mussten sie im Gebirgsbach – „ein willkommenes Abenteuer“!
Andreas’ Fazit der Summer School fällt durchweg positiv aus: „Ich kann nur jedem empfehlen, daran teilzunehmen. Das Programm ist unglaublich abwechslungsreich und spannend. Ich persönlich möchte in Zukunft auch noch andere Orte Russlands bereisen, um weitere Eindrücke on diesem riesigen Land zu gewinnen.“
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