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Interview mit Tobias Rehberger

Soi Aspromogou, Josephine Bietz, Sabrina Fathi, Alexander Klein und Daniela Schmitt interviewten am 7. Juni den Künstler Tobias Rehberger.

Herr Rehberger, Ihre ursprünglich für die Kantine der Dresdner Bank geschaffene Installation heißt 'Montevideo, Mailand, Dubai, Moskau, Singapur, Sao Paulo, Tokio, New York'. Wie kam dieser Name zustande?
Die Dresdner Bank hatte die Arbeit beauftragt, und die einzelnen Inseln der Installation, die jetzt in einer Art orangefarbenem Display stehen, waren über das Internet jeweils mit einer Fotozelle in den genannten Orten verbunden. Das waren Außenstandorte der Bank, und die Lampen hier im Restaurant in Frankfurt haben auf die unterschiedlichen Lichtverhältnisse an diesen verschiedenen Orten reagiert. Wenn es in Montevideo bewölkt war, sind hier die Lampen dunkler geworden, so muss man sich das vorstellen.

Sie haben 2009 in Venedig die Biennale-Cafeteria 'Was du liebst, bringt dich auch zum Weinen' realisiert. Stehen die Frankfurter- und die Biennale-Installation in einem größeren Zusammenhang?
Das hat weniger miteinander zu tun, als man zunächst vielleicht denkt. Das sind zwar beides Bars oder Restaurants oder so ähnlich, allerdings geht bei beiden Arbeiten doch um sehr verschiedene Dinge.

Als Sie wegen der Biennale-Installation gefragt wurden, hatten Sie ja schon eine Idee. Uns interessiert noch Ihr Weg von einem ersten Konzept bis zur konkreten Umsetzung. Welche Rolle spielt für Sie dabei der jeweilige Ort, die Besonderheit der Umgebung?
Natürlich muss man eine erste Idee mit dem Ort, an dem die Arbeit entstehen soll, in Verbindung bringen. Es gab ja alleine ein grundsätzliches Konzept und noch keinen konkreten Entwurf. Zu diesem Zeitpunkt wusste ich noch nicht, wie es später aussehen sollte. Das Konzept hatte ich in der Schublade und habe dann sozusagen auf eine Gelegenheit gewartet, um es umsetzen zu können und natürlich den besonderen Verhältnissen dort in Venedig anzupassen.

Ist das Biennale-Café für Sie auch ein Ort, an dem Sie auch ganz einfach einmal einen Kaffee trinken?
Wenn ich in Venedig bin, nutze ich das Café schon einmal um einen Kaffee oder ein Wasser zu trinken.

Uns als angehende Innenarchitekten interessiert natürlich auch ganz besonders Ihr Umgang mit den Materialien, die Sie für Ihre Kunstwerke verwenden. Wie treffen Sie die Auswahl?
Die Auswahl der Materialien hängt immer stark von der Art der Installation ab. Jede Arbeit hat andere Voraussetzungen und Anforderungen. Wenn ich beispielsweise eine Arbeit machen will, in der, sagen wir, ein Stuhl vorkommt... dann liegt es auf der Hand, dass man diese Arbeit nicht aus Watte bauen kann. Es sei denn, das Konzept verlangt es... Aber wenn ich möchte, dass man auf dem Stuhl tatsächlich sitzen kann, kann er eben nicht aus Watte sein. Die Materialauswahl hängt also immer davon ab, was die Idee hinter der jeweiligen Arbeit ist.

Studierende im Gespräch mit Tobias Rehberger


Gelingt es Ihnen immer, Ihre Ideen eins zu eins umzusetzen, oder müssen Sie auch auf Materialkosten achten?
Das gibt es natürlich schon. Natürlich hat man oft einen gewissen - manchmal auch nur vagen - Budget-Rahmen. Manchmal würde ein Kunstwerk wesentlich an Qualität verlieren, wenn man zu sehr sparen müsste. Dann macht man es lieber gar nicht und muss sich etwas anderes überlegen. Aber es gibt natürlich schon Spielräume, und dann kann man sich fragen, ob etwas aus Eiche sein muss, oder ob es auch Fichte sein kann. Man versucht an allererster Stelle, möglichst präzise der Idee gerecht zu werden. Und wie gesagt, man kann auch ein Kunstwerk totsparen.

Aber auch Sie erleben manchmal Momente, in denen Sie nicht machen können, was Sie eigentlich wollen?
Ja natürlich, das gibt es schon. Es gibt viele Ideen, die sich nur mit einem gewissen Budget realisieren lassen, und wenn man das nicht hat oder kriegt, dann muss man eben warten, bis es irgendwann mal vorbeikommt. Aber es geht nicht darum, ob das Material schlicht oder teuer ist. Ich habe auch schon Sachen aus PU-Schaum gemacht. Wenn Leute hören, dass ich Künstler bin, fragen sie oft als erstes, mit welchen Materialien ich arbeite. Aber man geht gar nicht zuerst von Materialien aus. Ich hab ja nicht irgendwie einen Stapel Holz zu Hause liegen und denke, ich muss jetzt was mit Holz machen. Sondern ich habe eine bestimmte Idee, und dann wird diese Idee umgesetzt; und ob das dann Bauschaum ist oder Platin, das ist eigentlich egal. Was aus Platin sein muss, wird aus Platin gemacht, und was aus Bauschaum gemacht werden muss, wird aus Bauschaum gemacht.

Viel wichtiger als die Frage nach den Materialien ist also die Frage, wo Sie die Ideen für Ihre Kunstwerke hernehmen.
Meistens kommen die Ideen aus irgendwelchen Problemen, die man mit anderen Kunstwerken hat. Dass man eben denkt, Kunst könnte auch noch anders sein. Muss die unbedingt so sein, wie man sie kennt, wie man sie versteht? Kann man das nicht auch anders verstehen, kann man das nicht auch anders machen? Und weil mich das eben interessiert, so wie andere Leute Autos interessieren oder, keine Ahnung, Schuhe, so interessiert mich halt Kunst. Und deswegen denke ich darüber nach, was das ist, und warum das so ist, und was das sein könnte - und so kommen dann auch Ideen. Wenn man sich mit etwas beschäftigt, kommen einem in der Regel Ideen.

Sie haben mal in einem Interview gesagt, dass Sie als Kind gerne auf einem van Gogh geschlafen hätten, um so die Kunst zu erleben. Was hat Sie an van Gogh so besonders interessiert, und gibt es heute irgendeinen Künstler, dessen Kunst Sie gerne auf so besondere Art irgendwie erleben würden?
Ja, es geht mir mit vielen Kunstwerken so. Ich glaube, dass man sie nicht erleben oder erfahren kann, indem man einfach nur davorsteht und die anguckt. Sondern das habe ich immer noch, dass ich mal gerne auf einem Donald Judd liegen würde oder eben immer noch gerne einen van Gogh als Kopfkissen hätte. Das ist einfach was, das mich auch in meiner eigenen Arbeit umtreibt, ob Kunst nicht auch andere Möglichkeiten der Erfahrbarkeit oder des Umgangs hat als nur ins Museum zu gehen und sich davor hinzustellen und sich das ´kuhhaft´ anzuglotzen.