Das Wiesbadener Badeblatt/Kurliste

Das "Wiesbadener Badeblatt" mit der „Kur- und Fremdenliste“, einer über viele Epochen hinweg betriebenen akribischen Auflistung aller Kurgäste der Stadt ist die wohl ergiebigste Quelle für personengeschichtliche Studien über den Wiesbadener Badebetrieb der Neuzeit. In ihren Anfängen, vor allem in der Biedermeierzeit, war sie noch als Kontrollmittel gegen revolutionäre Umtriebe verwendet worden - der Metternichsche Staat war gegenüber Reisenden grundsätzlich misstrauisch. Als jedoch der Kurbetrieb aufzublühen begann, entwickelte sich die Kurliste schon bald zu einer Art Kontaktbörse des Badebetriebs, schliesslich ging es während des mondänen Aufenthalts immer auch um das "Sehen und gesehen werden".

Im ersten der hier digitalisierten Jahrgänge (1867) wurden Druck und Verlag der Kurliste vom wenig zuvor gegründeten Kurverein unter Leitung von Alexander Pagenstecher und ab 1873 Ferdinand Hey’l übernommen. Das nun erstmals unter diesem Namen veröffentlichte „Wiesbadener Badeblatt“ bot nicht nur die bisherige Kurliste, sondern auch einen Feuilletonteil und einen Veranstaltungskalender. Diese opulente Ausstattung blieb auch bestehen, als 1898 die städtische Kurverwaltung die Herausgabe übernahm und der Kurbetrieb in den Jahren vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs seinen Zenith erreichte (im Schnitt 200.000 Gäste jährlich vor 1914). Ende 1933 wurde die Produktion eingestellt.

 

 

(direkt zu den Jahrgängen)
(direkt zu den Jahrgängen)
Heiligabend in Wiesbaden: Neuankömmlinge 1891 (Ausschnitt aus der Kurliste vom 25.12.1891)