01.11.2012 - 03.11.2012: Exkursion zur Firma Musikelectronic Geithain GmbH in Geithain

Am 1. November 2012 machte sich eine Gruppe von 11 Studierenden und Professoren mit dem Hochschulbus sowie einem PKW auf die Reise von Rüsselsheim ins mehr als 400 km entfernte Sachsen, um in einem mehrtägigen Elektroakustik-Workshop bei der Firma   Musikelectronic Geithain GmbH mehr über die Entwicklung und Fertigung von hochwertigen Regielautsprechern zu erfahren. Die Firma ME-Geithain beschäftigt sich seit mehr als 50 Jahren mit der Herstellung von Lautsprechern und zählt zu den weltweit renommiertesten Herstellern von Regiemonitoren für Rundfunkanstalten und Audioproduktionen. Alle Komponenten von der Verstärkerelektronik bis hin zu den Schwingspulen der Chassis werden im eigenen Haus entwickelt und getestet. Der Chef und Firmengründer des Unternehmens, Herr Joachim Kiesler, hatte die Einladung zu diesem Besuch anlässlich seines Vortrages an der Hochschule RheinMain im Juni dieses Jahres ausgesprochen. Nach fast fünfstündiger Fahrt, einigen Umleitungen über Landstraßen sowie interessanten Navigationsvorschlägen modernster smartphones, erreichten wir bei Anbruch der Dunkelheit unser Quartier. Im Hotel Leipziger Land in Geithain wurden wir freundlich empfangen und waren bestens untergebracht. Den Abend verbrachten wir zusammen mit Herrn Dipl.-Ing. Markus Schmidt aus dem Entwicklerteam der Firma ME Geithain in der Cafe-Bar-Vinothek INVINO bei ausgezeichneter italienischer Küche, exzellentem Wein und fachlichen Diskussionen um das Thema Akustik und Lautsprecher.

Am nächsten Tag ging es nach einem guten Frühstück zu Fuß zum nahe gelegenen Firmensitz, der in einem alten Kloster untergebracht ist. Nach der Begrüßung machte Herr Kiesler den Studierenden zunächst die Anforderungen an Absolventen eines Ingenieurstudiengangs deutlich. In diesem Zusammenhang verwies er auf die unterschiedlichen Gebiete wie Akustik, Physik, Elektronik, Messtechnik, Mechanik, deren Kenntnisse für die Entwicklung eines guten Lautsprechersystems notwendig sind. Neben soliden Kenntnissen in Theorie und Praxis spielt seiner Meinung nach die intrinsische Motivation eine entscheidende Rolle für ein erfolgreiches und befriedigendes Berufsleben. In diesem Zusammenhang machte er die unterschiedlichen Gebiete wie Akustik, Physik, Elektronik, Messtechnik, Mechanik deutlich, deren Kenntnisse für die Entwicklung eines guten Lautsprechers notwendig sind. Nach dieser allgemeinen "Ansprache" erläuterte Herr Kiesler in einem Fachvortrag die Entwicklungsanforderungen an Regiemonitore. Eine besondere Beachtung findet dabei die Abstimmung des Abstrahlverhaltens unter Berücksichtigung des Hörabstandes. Dieser Ansatz basiert auf psychoakustischen Untersuchungen von Eberhard Zwicker zur Wahrnehmung von Direkt- und Diffusschall. Nach dem mehr theoretischen Teil folgte der Praisteil mit ausgiebigen akustischen Demonstrationen zum Klangempfinden bei der Lautsprecherwiedergabe von Schallereignissen unter Berücksichtigung des Hörabstandes von der Schallquelle und der Nachhallzeit des Wiedergaberaumes in Tonregieräumen, Wohnraum- und Übertragungswagensituationen. Diese Demonstrationen fanden nicht nur im raumakustisch optimierten Abhörraum sondern auch in einem kleinen Tonregieraum statt. Das Ziel ist, durch die geeignete Auswahl der Wiedergabelautsprecher die Abmischung einer Tonaufnahme kompatibel einschätzen zu können. Als ein Highlight empfanden die Workshop-Teilnehmer die Surroundwiedergabe über ein RL901K Set von Gustav Mahlers Sinfonie Nr. 2 in einer Aufnahme des Leipziger Gewandhausorchesters unter der Leitung von Riccardo Chailly.

Nach einem ausgiebigen Frühstück ging es am Samstagmorgen wieder in die Labore der Firma ME-Geithain. Zunächst besichtigten wir die Lautsprecherfertigung, wo insbesondere der Aufbau der Tieftonchassis erläutert wurde. Danach standen elektroakustische Messungen auf dem Programm. Nach einer Einführung in die theoretischen Grundlagen durch Herrn Schmidt wurden verschiedene Messungen zum Übertragungsverhalten, insbesondere auch der Winkelabhängigkeit, im firmeneigenen reflexionsarmen Raum durchgeführt. Auch ein mitgebrachter Monitor aus dem Hochschullabor wurde messtechnisch untersucht. Des Weiteren führte Herr Schmidt Messungen an einem Lautsprecherchassis mit einem Klippel Laservibrometer, z.B. zur Bestimmung der Thiele-Small Parameter vor. Im Anschluss besichtigten wir das Elektroniklabor, in dem gerade eine neue Endstufe in der Entwicklung ist, sowie den Bereich CAD, in dem mittels FEM die magnetischen Antriebe entwickelt werden.

Die Zeit verging wie im Flug, wozu Herrn Kieslers Humor und Erzähltalent viel beitrug. Dabei waren nicht nur die technischen Informationen interessant sondern auch die von Herrn Kiesler immer wieder eingestreuten Geschichten und Anekdoten aus mehr als 50 Jahren als Entwickler und Unternehmer, davon viele Jahre in der ehemaligen DDR; ein reales Stück Zeitgeschichte. Am späten Samstagmittag machten wir uns bei einsetzendem Dauerregen wieder auf die Heimreise nach Rüsselsheim, voll von vielfältigen Eindrücken und neuen Erkenntnissen. Ein herzliches Dankeschön an Herrn Kiesler, Herrn Schmidt sowie das gesamte Team von Musikelectronic Geithain für ihr außergewöhnliches Engagement für diesen sehr lehrreichen und interessanten Workshop, der allen Teilnehmern in sehr positiver Erinnerung bleiben wird.

Impressionen der Exkursion

Warten auf den Hochschulbus - die Studierenden bei der Abfahrt.
Begrüßung im Vorführraum durch Herrn Kiesler und Herrn Schmidt.
Die Studierenden lauschen Herrn Kieslers Ausführungen.
Herr Kiesler erklärt die Konstruktion und Fertigung eines Tieftonchassis.
Koaxialer Aufbau des aktiven
Regielautsprechers RL901.
Der Handschmeichler - die neue Fernbedienung.
"Hörst Du noch etwas?" - durch die Bassniere ist der Tieftonbereich hinter den Lautsprechern stark gedämpft.
Erläuterung der verschiedenen akustischen Messverfahren im reflexionsarmen Raum.
Die Organisatoren (von links nach rechts): Dipl.-Ing. M. Schmidt, Prof. G. Fries, Joachim Kiesler,
Prof. K. H. Hofmann, auf dem Bild fehlt Dipl.-Ing. Steffen Tränkner.
Das Ende eines sehr gelungenen Workshops.

Fotos: G. Fries