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Der Krankheitskomplex Traubenfäulen an Vitis vinifera (L.): Genetische Charakterisierung von mikrobieller Zönosen und Botrytis cinerea Einzelisolaten als Basis zur Optimierung der Fäulnisprävention im Weinberg

Der Ascomycet Botrytis cinerea gehört als Erreger der Graufäule zu den wichtigsten pilzlichen Schaderregern in mitteleuropäischen Weinbau. In den letzten Jahren hat die Bedeutung dieses Schaderregers erheblich zugenommen, da einerseits ein Anstieg von Starkregenereignissen während der Reifephase der Beeren zu verzeichnen war, andererseits die Beerenreife in der jüngsten Vergangenheit im Vergleich zu den 80er und 90er Jahren des letzten Jahrhunderts deutlich früher einsetzte. Angesichts dieser veränderten klimatischen Verhältnisse und der sich daraus ergebenden Folgen für den Weinbau wird die Fäulnisprävention zukünftig eines der vorrangigen Ziele im Rebschutz sein. Trotz der Verfügbarkeit effektiver Botrytizide gestaltet sich die Botrytis-Bekämpfung unter den aktuellen klimatischen Bedingungen in der Praxis sehr schwierig. Hier setzt das vorliegende Vorhaben an, das zwei Projektschwerpunkte beinhaltet:

  1. Da über Interaktionen zwischen Botrytis cinerea und anderen Mikroorganismen der Beerenoberfläche wenig bekannt ist, soll die mikrobielle Zönose auf der Beerenhautoberfläche mit Hilfe molekularer Methoden (Metagenomics mittels 454 Sequenzierungen, DGGE u.ä.) erfasst und charakterisiert werden und mit unterschiedlichen Bewirtschaftungssystemen und Anbauregionen korreliert werden. Die Traubenproben stammen aus Weinbergen verschiedener Bewirtschaftungs-systeme, von unterschiedlichen Standorten innerhalb des Anbaugebietes Rheingau sowie aus einem Langzeitdüngeversuch. Außerdem sollen B. cinerea-Isolate auf molekularer Ebene anhand des Vorkommens bestimmter Transposons bzw. Mykoviren im pilzlichen Genom charakterisiert werden. Dieser Ansatz erlaubt eine definierte Aussage über die Beteiligung weiterer Organismen am Krankheitskomplex Traubenfäule und wird maßgeblich die Erarbeitung erfolgreicher Bekämpfungsstrategien unterstützen und verbessern.

  2. Zum Anderen sollen Untersuchungen zur Pathogenese des Fäulniserregers B. cinerea während des Reifeprozesses erfolgen. Hierfür sind u.a. fluoreszenzmikroskopische Untersuchungen vorgesehen, anhand derer der Besiedelungsprozess auf der Beerenhautoberfläche beschrieben werden soll. Auf dieser Basis sollen nachhaltige Bekämpfungsstrategien zur Gesunderhaltung der Trauben erarbeitet werden, wobei bereits bestehende Maßnahmenpaket zur Fäulnisprävention im Freiland optimiert werden. Dazu zählt derzeit der kombinierte Einsatz von Spezialbotrytiziden und Wachstumsregulatoren sowie einer moderaten Laubwand-Entblätterung. In diesem Zusammenhang sollen neue Wirksubstanzen und biologische Pflanzenschutzverfahren (z.B. Applikation mikrobieller Antagonisten; Induktion physiologischer Vorgänge der induzierten Resistenz in der Wirtspflanze) eingesetzt werden.

KECSKEMÉTI, E.1,2,3; REINEKE, A. 1,2; KOGEL, K.-H.3
1    Hochschule RheinMain; Fachbereich Geisenheim; Von-Lade-Str. 1; 65366 Geisenheim.

2    Forschungsanstalt Geisenheim; Fachgebiet Phytomedizin; Von-Lade-Str. 1; 65366 Geisenheim.

3    Justus-Liebig-Universität Giessen; Institut für Phytopathologie und Angewandte Zoologie;
Heinrich-Buff-Ring 26-32; 35392 Gießen.

Mail: Elizabeth.Kecskemeti[at]fa-gm[.]de

Anschrift

Hochschule RheinMain
University of Applied Sciences
Fachbereich Geisenheim

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Von-Lade-Str. 1
65366 Geisenheim

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