NIEDERSCHWELLIGE HILFEANSÄTZE BEI GEWALT IN PAARBEZIEHUNGEN ÄLTERER FRAUEN UND MÄNNER

Auf einen Blick

Forschungsprojekt
Fachbereich Sozialwesen
Institut
Leitung Prof. Dr. Regina-Maria Dackweiler, Prof. Dr. Reinhild Schäfer
Beteiligte Angela Merkle, Franziska Peters
Ansprechpartner Forschungsförderung
Projektpartner Stadtgesundheitsamt Frankfurt am Main, Caritas Offenbach und die Kommunale Frauenbeauftragten der Stadt Wiesbaden
Fördermittelgeber Bundeministerium für Bildung und Forschung (BMBF)
Laufzeit 2 Jahre
Website(s)

Projektbeschreibung

Am Fachbereich Sozialwesen der Hochschule RheinMain ist zu Beginn des Jahres ein Forschungsprojekt gestartet, das nach möglichen neuen Hilfeansätzen bei Gewalt in Paarbeziehungen (Häusliche Gewalt) älterer Menschen ab 60 Jahre sucht. Das Bundeministerium für Bildung und Forschung (BMBF) fördert das von den Professorinnen Dr. Regina-Maria Dackweiler und Dr. Reinhild Schäfer geleitete Projekt über die Dauer von zwei Jahren. Kooperationspartnerinnen aus der Praxis sind das Stadtgesundheitsamt Frankfurt am Main, Caritas Offenbach und die Kommunale Frauenbeauftragten der Stadt Wiesbaden.
Das Forschungsteam mit den wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen Angela Merkle und Franziska
Peters hebt die Notwendigkeit hervor, für das soziale Problem der Gewalt in Paarbeziehungen
älterer Frauen und Männer zu sensibilisieren und diese Betroffenengruppe mit
bestehenden Angeboten der Sozialen Dienste besser zu erreichen. Denn bereits vorliegende
wissenschaftliche Studien konnten verdeutlichen, dass von Gewalt in der Paarbeziehung
auch ältere Frauen und Männer betroffen sind, da in langjährigen Gewaltbeziehungen mit
fortschreitendem Alter physische, psychische und sexuelle Gewalt nicht endet. Krisenhafte
Lebensereignisse wie Verrentung, nachlassende Gesundheit und mögliche soziale Isolation
können das gewaltförmige Austragen von Konflikten aber auch erstmals auslösen. Obwohl
es in Deutschland ein relativ dichtes Netz an Hilfeeinrichtungen bei Häuslicher Gewalt gibt,
suchen gerade Senior*innen (60+) diese in den seltensten Fällen auf.

„Dem Leben eine Wendung geben“

Daher verfolgt das Forschungsprojekt das Ziel, Wege zu suchen, die Erreichbarkeit dieser
heterogenen Betroffenengruppe zu verbessern, um es auch ihnen zu ermöglichen, ein gutes,
weil selbstbestimmtes und gewaltfreies Leben zu führen. Hierbei knüpft das Forscherinnenteam
an Erkenntnisse an, wonach es für diese Zielgruppe vor allem niederschwelliger, d.h.
aufsuchender Ansätze bedarf, sowie einer zeitlich längeren und kontinuierlicheren Begleitung
im Klärungsprozess der Veränderungswünsche und Interventionsmöglichkeiten. Vor
diesem Hintergrund fragt das Projekt nach den Zugangsmöglichkeiten von überwiegend ehrenamtlich
tätigen „Lots*innen“ im Senioren-, Gesundheits- und Integrationsbereich zu älteren
Gewaltbetroffenen und danach, ob dieses an der Bewältigung von Alltagsproblemen
ansetzende Hilfesetting für die Gewaltproblematik adaptiert werden kann.
Fachtagung „Hilfeangebote bei Gewalt in Paarbeziehungen älterer Frauen und Männer“

Am 29.06.2017 fand im Rahmen des Forschungsprojekts eine ganztägige Fachtagung mit

internationalen Referent_innen an der Hochschule RheinMain statt. Sandra Kotlenga von
Zoom - Gesellschaft für prospektive Entwicklungen e.V., Göttingen, sowie Dr. Birgit Haller,
Institut für Konfliktforschung, Wien, präsentierten empirische Befunde aus der Bundesrepublik
Deutschland bzw. Österreich des EU-finanzierten internationalen Verbundprojekts
„Partnergewalt gegen ältere Frauen“. Ewgenia Falkenberg und Simone Bock stellten das
Quartiersbezogene Hamburger Projekt „StoP -Stadtteil ohne Partnergewalt“ vor und Dr. Albert
Wettstein, Unabhängige Beschwerdestelle für das Alter (UBA), Zürich, berichtete über
die langjährigen Erfahrungen mit dieser bislang einzigartigen Einrichtung für gewaltbetroffene
Senior*innen im sozialen Nahraum. Mit Hilfe eines World Cafés konnten die über 70 Teilnehmer*
innen aus Einrichtungen der Sozialen Arbeit, die mit gewaltbetroffenen älteren
Frauen und Männern befasst sind bzw. diesen potentiell begegnen, am Nachmittag an unterschiedlichen
Thementischen ihre Expertise, Erfahrungen und Ideen zum geplanten niederschwelligen
und sozialraumbezogenen Hilfeansatz der „Lots*innen“ einbringen und diskutieren.

Bilder/Grafiken zum Projekt