AKTUELLE MELDUNGEN AUS DEM FACHBEREICH SOZIALWESEN

Lernort Kino: Projektergebnisse

Das Projektteam. © FSK/Horst Martin

Ein Schuljahr lang haben geflüchtete Schülerinnen und Schüler fünf beruflicher Schulen in Wiesbaden, am Modelprojekt "Lernort Kino: Filmarbeit mit jungen Flüchtlingen" teilgenommen. Im Rahmen des Projekts sahen die Teilnehmenden ab September 2016 einmal im Monat ausgewählte Filme und diskutierten über Themen wie Demokratie, Toleranz und Geschlechterrollen. 

Der Fachbereich Sozialwesen der Hochschule RheinMain begleitete das Projekt wissenschaftlich. Beteiligt waren Prof. Dr. phil. Tanja Grendel, Soziale Arbeit in Bildungs- und Sozialisationsprozessen, Prof. Dr. phil. Heidrun Schulze, Einzelfallanalyse und Professor Dr. Marc Reisner, Medien- und Kulturanalyse mit ihren MitarbeiterInnen. Diese wissenschaftliche Arbeit wurde unterstützt mit Mitteln aus dem Sonderetat "Kultur von, für und mit Flüchtlingen" von Kulturamt und Amt für Zuwanderung und Integration der Landeshauptstadt Wiesbaden.

"Mit Jugendlichen ins Gespräch kommen"

"Filme ermöglichen einen niedrigschwelligen Zugang zu den geflüchteten Jugendlichen. Im Rahmen der moderierten Gruppendiskussionen ist es gelungen, mit den Jugendlichen ins Gespräch zu kommen. Sie nutzten die Möglichkeit, entweder über die Inhalte der Filme zu sprechen oder aber – selbstbestimmt – einen lebensweltlichen Bezug zu eigenen Erfahrungen herzustellen. Auf diese Weise wurde deutlich, was die Jugendlichen bewegt, welche Erfahrungen sie zum Beispiel im Bildungssystem machen und welche Erwartungen und Sorgen sie haben", so Prof. Dr. Tanja Grendel und Prof. Dr. Heidrun Schulze von der Hochschule RheinMain, die das Projekt wissenschaftlich begleiteten. Im Rahmen einer Lehrveranstaltung mit Studierenden des Bachelorstudiengangs Soziale Arbeit analysierten sie die Transkripte der Gruppendiskussionen. Filmisch begleitet wurde das Projekt von Prof. Marc Reisner.

Die Gruppendiskussionen im Anschluss an die Filmgespräche eröffneten einen Einblick in lebensweltrelevante Themen der geflüchteten Jugendlichen. "Anknüpfend an den Film 'Hidden Figures', der die Schwierigkeiten der ersten farbigen Frauen in der NASA in den 1960-er Jahren zeigt, diskutierten sie unter anderen über Stereotype gegenüber Menschen und Ländern und reflektierten in diesem Zusammenhang sowohl eigene Vorurteile als auch selbst erfahrene Ausgrenzungen. Unter anderen thematisierten die geflüchteten Jugendlichen in diesem Zusammenhang aktuelle Herausforderungen bei der Wohnungssuche in Wiesbaden oder auch bei Behördengängen", erklärt Prof. Dr. Tanja Grendel.

Darüber hinaus schilderten die Jugendlichen ihre Erfahrungen im Bildungssystem. Im Gespräch wurden hier Ambivalenzen deutlich: Auf der einen Seite nehmen sie einen hohen Leistungsdruck im schulischen Kontext wahr; schulische Abschlüsse werden als ausschlaggebend für gesellschaftliche Teilhabechancen beschrieben. Auf der anderen Seite fällt es den Jugendlichen mitunter schwer, geduldig zu sein und ihre eigentlichen Bildungswünsche erst "Schritt für Schritt" realisieren zu können.

Fazit

Die Jugendlichen selbst haben die Gruppendiskussionen als bereichernd empfunden, da es selten Gelegenheit gebe, sich über Themen, die sie bewegen, auszutauschen bzw. das diese Gehör finden. Die Studierenden des Fachbereichs Sozialwesen berichteten am Ende der Veranstaltung, durch die Analyse der Gruppendiskussionen für die Lebenswelt der Jugendlichen sensibilisiert worden zu sein und hier neue Einblicke und Einsichten mitnehmen zu können.

Projektträger ist der gemeinsame Verein der Wiesbadener Beruflichen Schulen (MIK – Netzwerkarbeit im Berufsschulzentrum Wiesbaden e.V.) in Kooperation mit der Freiwilligen Selbstkontrolle der Filmwirtschaft – FSK, der Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung und der Hochschule RheinMain. Gefördert wurde das Projekt aus dem Sonderetat "Kultur von, für und mit Flüchtlingen" vom Kulturamt und dem Amt für Zuwanderung und Integration der Landeshauptstadt Wiesbaden. Schirmherr ist Jo Dreiseitel, Staatssekretär und Bevollmächtigter für Integration und Antidiskriminierung im Hessischen Ministerium für Soziales.